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Kenn' ich schon!

Angel-A Filmtipp

Schauspielerin zu sein ist für sie nur eine weitere Facette. In gerade mal einem Monat lernte diese dänische Amerikanerin Französisch und konnte ihre Dialoge rückwärts. Aufmerksam, gerade heraus und stark wie eine Eiche, verzauberte sie den ganzen Dreh mit ihrem Lächeln, ihrem Humor, ihrer Liebenswürdigkeit und Loyalität. Und Jamel. Wir kannten uns bereits, aber nicht besonders gut. Wenn man ihn trifft, spürt man sofort, dass sich hinter seiner unwiderstehlichen Clownsmaske ein großer Tragöde verbirgt. Wie bei allen Komödianten versteckt auch bei ihm seine Begabung, Leute zum Lachen zu bringen, etliche alte Wunden. Und das ist es, wofür Lachen gut ist – eine Wahrheit zu verhüllen, die durch Worte erschwert und unnahbar würde. Die Frage für mich war, ob sein Vertrauen zu mir groß genug sein würde, mich ihn bearbeiten, formen und seine Wunden erforschen zu lassen. Kino ist so etwas wie ein Betäubungsmittel, aber es ist schwer, den ersten Schritt zu machen. Mit einer großen Portion Bescheidenheit, Mut und Zurückhaltung, zog er sich nackt aus, und ich habe versucht, seine Nacktheit einzufangen und zur Geltung zu bringen, ohne jemals vulgär zu werden – was echte Gefühle niemals sind.

Ich danke ihnen beiden.

 

NOTIZ

„Ein Mann trifft eine Frau in Paris" – so knapp fasst der französische Star-Regisseur Luc Besson die Geschichte seines neuen Films ANGEL-A zusammen, seiner lang erwarteten ersten Regiearbeit nach sechs Jahren Pause.

Aber was für ein Mann und was für eine Frau! Ein verzweifelter, lebensmüder Ganove trifft auf einen attraktiven, gefallenen Engel. Ausgerechnet auf einer Brücke, von der sich beide gerade in die Seine stürzen wollen. Supermodel und Gucci-Gesicht Rie Rasmussen (FEMME FATALE, THINNING THE HERD), hochgewachsen und sehr sexy, spielt den Schutzengel des kleinwüchsigen Gangsters André, der mit anrührender Komik von Ex-Stand-up Comedian Jamel Debbouze (DIE WUNDERBARE WELT DER AMÉLIE, ASTERIX UND OBELIX: MISSION KLEOPATRA) verkörpert wird.

Und was für ein Paris! Der Himmel über der Stadt taucht die unzähligen Seine-Brücken in strahlendes Schwarz-Weiß, die rüde Sprache der „kleinen" Menschen entspricht ihren Lebensbedingungen in den Vorstädten. Höchste Zeit also, dass mal ein Engel nach dem Rechten sieht. Regie-Zauberer Luc Besson (LEON – DER PROFI, DAS FÜNFTE ELEMENT, JOHANNA VON ORLEANS) kehrt mit einer Liebeserklärung an seine Heimatstadt auf die Leinwand zurück, die von Thierry Arbogast, einem der bedeutendsten Kameramänner Frankreichs (LEON – DER PROFI, DAS FÜNFTE ELEMENT, JOHANNA VON ORLEANS) kongenial fotografiert wurde.

 

INHALT

Andrés Geschichten glaubt längst niemand mehr. Er selbst am wenigsten. Auch wenn er behauptet, Amerikaner zu sein und in New York erfolgreiche Geschäfte laufen zu haben, machen ihm seine vielen Gläubiger unmissverständlich klar, dass er nichts ist, als ein glückloser, marokkanischer Gauner in Paris – klein, hässlich und total pleite. André (Jamel Debbouze) ist 28 und am Ende. Wenn er bis morgen seine Schulden nicht bezahlt, ist er ein toter Mann.

Er hat Angst und ihm wird klar, dass ihm seine Lebenslügen diesmal nicht weiter helfen. Verzweifelt beschließt er, sich von einer Brücke in die Seine zu stürzen. Doch zu seiner Überraschung steht auf der Brüstung bereits eine Frau, die offenbar das gleiche plant. Als er sieht, dass die große, schöne Blondine springt, denkt er nicht mehr an Selbstmord. Er springt hinterher und rettet die Fremde.

Angela (Rie Rasmussen) heftet sich fortan wie eine Klette an seine Fersen. Neben dieser langbeinigen, attraktiven Frau fühlt er sich noch kleiner und hässlicher als sonst, aber er bemerkt, dass ihm die Menschen mit größerer Achtung begegnen als zuvor. Denn irgend etwas muss der kleine Ganove wohl an sich haben, wenn diese Schönheit sich mit ihm einlässt.

Die Fremde aus der Seine erscheint André wie ein Wesen aus einer anderen Welt, die überirdische Kräfte hat, mit denen sie seine Gläubiger, allen voran den finsteren Unterweltboss Franck (Gilbert Melki), mühelos außer Gefecht setzen kann. Und ihr gelingt es ebenso, den Männern so viel Geld aus den Taschen zu ziehen, dass André seine Schulden bezahlen kann.

Aber Angela belässt es nicht bei ihren kleinen Wundern: In langen, intensiven Gesprächen versucht sie, André davon zu überzeugen, dass er sein Leben von Grund auf ändern muss. Seine Lebenslügen und sein Mangel an Selbstbewusstsein haben ihn nicht weiter gebracht. Obwohl Angela ihn mit ihren Wahrheiten nervt, entwickelt er immer stärkere Gefühle für die rätselhafte Schöne.

Als sie ihm schließlich gesteht, ein Engel zu sein – vom Himmel geschickt, um ihn zu retten und sein Leben auf den Kopf zu stellen – glaubt er ihr natürlich nicht. Anfangs macht er sich über sie lustig, doch ihr wundervolles Wesen zerstreut seine Zweifel mehr und mehr. André beginnt ernsthaft über sein Leben nachzudenken. Und Angela bemerkt, dass sie ganz menschliche Gefühle für diesen liebenswerten Kerl entwickelt und sich zunehmend wohl fühlt in seiner Gegenwart und dieser schönen Stadt.

Doch Angela weiß sehr wohl, dass ihre Mission endet, sobald André sein Leben wirklich ändert...

 

DAS ABC VON LUC BESSON

A wie ACTEURS (Schauspieler)

Regie zu führen hat mir nicht wirklich gefehlt. Das ist mit viel Verantwortung verbunden und eine wahre Mission, die soviel Zeit, Energie und Schweiß erfordert, dass man nicht unbedingt Lust hat, sich dieser Arbeit wieder auszusetzen. Ich vergleiche das gerne mit den Erfahrungen der Matrosen, die einsam die Welt umrundet haben: Sie erinnern sich ihr Leben lang an diese Zeit, aber ich glaube nicht, dass sie eine große Lust verspüren, sofort wieder loszuziehen, nachdem sie wieder festen Boden unter ihren Füßen haben. Als ich jedoch am Set erschien, überkam mich sofort wieder die Freude, mit Schauspielern zusammen zu arbeiten. Die Probenzeit – 1 ½ Monate mit Jamel und Rie – war wirklich aufregend. Zu sehen, wie der Text in ihrem Mund langsam „geboren" wurde, Zeuge der ersten Momente ihres Spiels zu sein, des ersten Lächelns... das war schon wunderbar. Das erinnert mich sehr an einen Säugling, der langsam aufwacht, einen anschaut, kleine Mienenspiele macht. Die Freude ist ähnlich: Man sieht der Geburt von Etwas zu.

B wie BESSON

Vor 10 Jahren begann ich den Film zu schreiben. Ich hatte eine Art „Skelett" redigiert, aber ich war unfähig, meine Personen sprechen zu lassen. Wahrscheinlich war ich einfach noch zu jung: Ich wollte zu diesem Thema etwas machen, aber mir fehlte noch das notwendige Vokabular. So legte ich meine 15 Seiten irgendwo hin und stieß förmlich erst wieder aus Versehen auf sie. Als ich sie mir wieder durchlas, fand ich sie sehr aktuell und beschloss, wieder zur Feder zu greifen, um zu sehen, ob ich diesmal weiter schreiben könnte. In 15 Tagen entstand das Drehbuch wie aus einem Guss. So kann man sagen, dass ich 10 Jahre und 15 Tage zum Schreiben gebraucht habe.

C wie CASCADES (Kaskaden)

In diesem Film gibt es keine, oder nur eine kleine. Ich habe so viele Filme mit großen Kaskaden und Stunts produziert, dass mir diese eine im Film, nicht mehr wie eine erscheint. Dafür kann man von Redeschwall (Dialog-Kaskaden) sprechen: Es ist ein Film in dem viel geredet wird, in dem sich die beiden Hauptfiguren wie zwei kleine Hühner voll schnattern.

D wie DEKOR (Ausstattung)

Weil ich immer mit den beiden gleichen Ausstattern arbeite, habe ich zum ersten Mal beschlossen, ihnen das Drehbuch nicht zu Lesen zu geben, sondern dem hauptverantwortlichen Ausstatter nur vom Dekor „erzählt". Er hatte also keine Ahnung vom Film. Ich war davon überzeugt, dass er so mit ganz anderen Ideen käme, die er nie gehabt hätte, wenn ihm die Geschichte von ANGEL-A vertraut gewesen wäre. Und genau das ist auch passiert. Beim Lesen des Drehbuchs hätten weder er noch ich uns die Ausstattung und Bauten vorstellen können, die er dann schließlich geschaffen hat und die dazu beitrugen, die Geschichte wie durch ein Springen von Ort zu Ort zu erzählen. Ich habe übrigens mit der gesamten technischen Filmcrew so gearbeitet. Sie erlebten die Dreharbeiten wie einen Fortsetzungsroman. Weil wir kontinuierlich drehten, entdeckten sie die Geschichte nur nach und nach. Auch die Auflösung erlebten sie erst am letzten Drehtag.

E wie ELLE (Sie)

Rie ist nicht sehr bekannt, ich sah auch keine Notwendigkeit, etwas über einen Namen zu enthüllen, der Niemandem etwas sagt. Aber die Menschen sind so geschaffen, dass sie mehr an dem interessiert sind, was man ihnen verschweigt, als an dem, was man ihnen sagt. Als ich über die Gerüchte die im Internet zirkulierten las, habe ich eine diebische Freude dabei empfunden, das Warten noch hinauszuschieben. Aber eine wirkliche Strategie verfolgte ich damit nicht.

F wie FIDÉLITÉ (Treue)

Ich bin zweifellos der technischen Crew in meinen Filmen treu. Aber bei der Arbeit bedeutet Treue nicht Blindheit. Auch wenn ich mit meinen Technikern oft befreundet bin, so wähle ich sie nicht aus Freundschaft aus. Wenn ich immer mit denselben Technikern zusammen arbeite, dann weil sie über die besondere Intelligenz verfügen, sich von Film zu Film zu entwickeln. Es ist mir sehr wichtig, dass sie immer in Bewegung sind, in dem Sinne, dass sie eine kreative Verantwortung innerhalb des Projekts haben. Ich brauche ihren Wettstreit. Ich bin nicht dafür da, um sie zu „benutzen", aber um mit ihnen ihre Erfahrungen zu teilen.

G wie GILBERT MELKI

Das ist ein Schauspieler, der mich schon lange interessierte, und diese Rolle war perfekt für ihn. Er war der erste, an den ich bei der Rolle des Franck dachte, und er machte mir die Freude „ja" zu sagen. Auch ihm gab ich nicht das Drehbuch zu lesen, weil seine Figur im Film ja sieht, wie sich André entwickelt. Ich fand es interessant, dass sich auch Gilbert in jeder neuen Szene fragt, worin der Ursprung der Veränderung von André liegt. Ich denke seine Nicht-Kenntnis des Drehbuchs half ihm sehr, seine Rolle zu verstehen.

H wie HOMMAGE

(Nach reiflichem Nachdenken) Ich habe nicht das Gefühl, dass es eine Hommage im Film gibt, jedenfalls nicht bewusst. Was Paris angeht, ist das mehr eine Liebeserklärung als eine Hommage. Es fehlte mir, dass im französischen Kino Paris nicht genug gewürdigt wird, dabei ist es wirklich die schönste Stadt der Welt.

I wie IMAGE (Bild)

Schon vor 10 Jahren waren die ersten Bilder des Films, wie ich ihn mir vorstellte, in Schwarz-Weiß: Es handelte sich vor allem um die Pariser Brücken und ganz speziell um gewisse Orte in Paris, wo man die Brücken vorbei ziehen sieht.

J wie JAMEL

Das erste Mal, als ich ihn sah, gab er eine Zusammenfassung von TITANIC auf Canal+, und ich bin vor Lachen fast gestorben. Ich dachte sofort an Zébulon. Ich sah in ihm eine anziehende Person, voller Charme und Leben aber auch Narben. Das macht einen Schauspieler viel interessanter. Danach sind wir uns einige Male über den Weg gelaufen. Wir mochten uns, umkreisten einander, bis ich die Zeit für reif hielt, aktiv zu werden, d.h. ihm eine Hauptrolle zu geben, bei der er bis auf den Grund seiner Emotionen gehen kann. Als Regisseur ist das eine aufregende Herausforderung, man fühlt sich ein wenig wie ein Entdecker.

K wie KUBRICK

Es macht mir nicht besonders viel Spaß, immer wieder das Gleiche zu tun. An Regisseuren wie Stanley Kubrick oder Milos Forman bewundere ich vor allem, dass es ihnen gelingt, immer wieder in eine andere Welt einzutauchen. Ich versuche also wie sie, nicht immer auf „Besson" zu machen und weder NIKITA 2 noch LEON 2 zu drehen, worum man mich oft gebeten hat. Was mich übrigens am meisten bei Kubrick beeindruckt, ist seine Osmose zwischen dem visuellen Stil und dem, was er erzählt. Seine Bildsprache passt perfekt zur Mathematik seines Themas. Auch Orson Welles war immer voller Ideen, seine Bildeinstellungen und Schattenspiele entsprachen dem, was er inhaltlich mitteilte. Das hat mich dazu gebracht, immer sicher zu stellen, dass meine Art zu filmen im Gleichklang mit der Geschichte steht, die ich erzähle.

L wie LICHT

Das Licht war enorm wichtig, weil wir im Juli und August drehten – wo Paris sehr bevölkert ist – und zu sehr eigenwilligen Uhrzeiten: meistens von 5 Uhr früh bis um 10 Uhr morgens und dann wieder am Abend. Alles was wir gefilmt haben, wurde vorher in Schwarz-Weiß getestet. Dabei haben wir das Filmmaterial ganz besonders bearbeitet, so genau, dass der Film in Farbe schmutzig wirken würde. Auf diese Weise haben wir uns davor geschützt, dass man ihn jemals koloriert.

M wie MONTAGE (Schnitt)

Weil wir sehr viel probten, hatten wir beim Schnitt das Glück auf zwei, drei, manchmal sogar vier oder fünf gute Einstellungen zurückgreifen zu können. Das erlaubte uns, nicht darauf angewiesen zu sein, im Schuss-Gegenschussverfahren zu montieren. Dabei muss man ja immer nach dem besten Satz des einen suchen, um ihn mit dem besten Satz des anderen zusammen zu schneiden. Es gibt viele Szenen im Film, wo Jamel und Rie beide im Bild sind, mit echten schauspielerischen „Momenten". Das kann man nur erreichen, wenn man sehr viel probt und wenn die Schauspieler beim Drehen hochkonzentriert bleiben. Das war hier der Fall. Mit der Erfahrung kommt auch der Moment beim Schnitt, wo weniger Material in den Mülleimer wandert. Bei diesem Beruf schneidet man ja im Kopf „vor", während man dreht. Meistens wusste ich schon am Set, was ich behalten würde und was nicht, welches Schnittbild noch fehlte usw. Bei meinen ersten Filmen war es immer so, dass ich erst beim Schnitt merkte, welche Einstellungen noch fehlten. Das machte mich wütend und ich musste nachdrehen. Das passiert mir nun nicht mehr und auch die Montage des Films geht heute viel schneller.

N wie „NOIR ET BLANC" (Schwarz-Weiß)

Journalisten werden nun sicher behaupten, ich hätte bewusst meinen ersten und letzten Film in Schwarz-Weiß gedreht, aber das ist nicht der Fall. Es gibt vier Rollen im Film: Angela, André, Paris und das Schwarz-Weiß. Das sind die vier Zeiten einer Poesie und wenn man eines dieser Elemente entfernt, dann nimmt man dem Film seine Poesie.

O wie ORIGINALMUSIK

Anja Garbarek entdeckte ich durch ein kleines Foto in einer Zeitung. Ich kannte Jan Garbarek, den Saxophonisten, der in den 70er-80er Jahren zusammen mit Keith Jarret spielte, und ich war neugierig, die Musik seiner Tochter zu hören. Ich ahnte, dass sie im Umfeld von Stanley Clarke und Miles Davis aufwuchs. Ich kaufte also ihre beiden ersten Alben und fand sie wunderbar. Man konnte da echte Jazzwurzeln entdecken und eine Stimme à  la Björk, aber noch weicher und poetischer. Das passierte genau in dem Moment, als ich meine 15 Seiten des alten Skripts wieder fand. So schrieb ich das Drehbuch während ich mir ihre beiden Alben anhörte. Von Beginn an war die Musik mit der Geschichte verbunden, beide funktionierten als Duo. Zu dieser Zeit arbeitete mein Hauskomponist Eric Serra an ARTHUR AND THE MINIMOYS. Weil es ihm nur schwer möglich war, beide Musiken gleichzeitig zu komponieren, wurde ich ihm für die Dauer eines Films untreu. Soll heißen, Jean Reno und Eric Serra machen sehr wohl Filme ohne mich, warum sollte ich nicht wenigstens einmal einen Film ohne sie drehen. So komponierte Anja Garbarek den Originalsoundtrack zu ANGEL-A, der auch einige musikalische Themen ihrer früheren Alben enthält, die wir neu orchestrierten.

P wie PARIS

Ich habe Paris immer geliebt. Als ich an einem Projekt über die Olympischen Spielen gearbeitet habe, sah ich mich gezwungen, mich wieder mehr mit der Stadt zu beschäftigen, was mich sehr inspirierte. Es war so, als wenn man eine frühere Geliebte wieder trifft! In meinen ersten Filmen verbrachte ich viel Zeit unter den Röcken und in den Eingeweiden von Paris (DER LETZTE KAMPF, SUBWAY), und nun war ich gewachsen und mit der Stadt auf Augenhöhe: Wir konnten gemeinsam Walzer tanzen…

Q wie 1 A QUALITÄT

Ein Film wie dieser verlangt nach Stringenz und Wahrhaftigkeit. Man kann sich da nicht belügen. Man ist es sich schuldig, ehrlich zu sein bei dem was man sagt und in der Art wie man es sagt.

R wie RIE RASMUSSEN

Man könnte auch sagen „R" wie „Rar", weil sie eine Perle ist. Ich habe noch nie ein Mädchen wie sie kennen gelernt, die sich in alles verliebt, auf alles neugierig ist und dabei mit einem solchen Talent ausgestattet ist: sie malt, sie zeichnet, sie macht Fotos und führt Regie… Wo auch immer sie erscheint, verbreitet sie ihr Lächeln und gute Stimmung. Ihre Begeisterung hat mir sehr gut getan und mir Lust darauf gemacht, wieder zu drehen.

S wie SUCCÈS (Erfolg)

Es ist schon erstaunlich, wie sehr der Erfolg eines Films ihm seine Klassifizierung als „persönliches Werk" nimmt. Als IM RAUSCH DER TIEFE mehr als 10 Millionen Zuschauer in Frankreich erreichte, wurde er nicht mehr als ein persönlicher Film angesehen, sondern als ein Blockbuster. Dabei kann man sich nur schwer ein noch persönlicheres Thema vorstellen: Ich schrieb den Film mit 16 Jahren, nur wenige Menschen kannten diese Form des Tauchens oder wussten etwas über das Verhältnis, was man zu Delphinen haben kann. Außerdem ist es die Geschichte eines Typen, der sich an Land nicht sehr wohl fühlt und viel lieber im Wasser geboren worden wäre.

T wie THIERRY ARBOGAST

Er ist ein alter Mitstreiter… Was ich an ihm so mag sind auch die Filme, die er ohne mich dreht. Er hat viel in den USA gemacht, mit Russen, Engländern oder Chinesen gedreht. Dann macht es Spaß, sich wieder zu sehen, weil es plötzlich so viele neue Dinge gibt, über die man sich austauscht. Wir kennen uns auch so gut, dass wir keine Zeit verlieren. Wir sind uns sehr schnell einig und müssen nicht groß miteinander reden. Das ist ein schönes gemeinsames Verständnis, auch weil es zwischen uns keine Egoprobleme gibt. Während eines Drehs muss ich bei allem meine Hand im Spiel haben, auch was die Position der Kamera angeht. Ich gehe davon aus, dass mich alles etwas angeht, es handelt sich ja um meinen Film. Thierry akzeptiert das ganz einfach, im Gegensatz zu den Chefkameramännern in der Werbung beispielsweise. Thierry kann teilen.

U wie UBIQUITE (Allgegenwart)

Geht es um eine ganz spezielle Aufgabe, wo ich merke, das kann jemand besser als ich, dann gebe ich ab. Habe ich im Gegenteil das Gefühl, dass ich besser bin als ein anderer, dann übernehme ich. Das hat nichts damit zu tun, Macht auszuüben. Es geht einfach darum, effizient zu sein. Es kann durchaus passieren, dass mir schnell bewusst wird, wenn jemand „fähiger" ist als ich. Dann überlasse ich ihm sofort meinen Platz. In dem Moment, wo das Ziel erreicht ist und der Film besser wird, sind mir die „Hüte", die man sich aufsetzt egal. Das wechselt sich ja auch ab: der Autor schreibt, der Regisseur bereitet vor, der Schauspielregisseur lässt proben, der Produzent greift ein. Bei diesem Film hat der Produzent übrigens kaum gearbeitet: Der Regisseur hörte nicht viel auf ihn…

V wie VISIONNAGE (Sichtung)

Ab einem gewissen Moment löst man die Kabel. Dann ist es vorbei mit der reinen Freude als Zuschauer und man kümmert sich nur noch um die Technik. Man bessert aus, wählt die Töne… Man vergisst, dass man Ferrari fährt und hat die Nase im Motor und fummelt an den Einzelteilen, ohne sich Fragen nach dem Glück oder den Gefühlen zu stellen. Wenn man dann die Motorhaube wieder schließt, kann man dem Ferrari wieder mit Freude beim Fahren zuschauen.

W wie WOCHENENDE

Ich weiß nicht, was das ist.

X wie „RATED X"

Es gibt keine Liebesszenen im Film. Auch wenn es noch so viele Themen gibt, die ich gerne abhandele, so interessiert mich die Nacktheit ebenso wenig wie Sex auf der Leinwand. Meiner Meinung nach ist das etwas Intimes, das man erleben muss, sowohl als Regisseur, wie auch als Zuschauer. Alles was jedoch vor dem „ins Bett gehen" passiert, ist genial: Eine Liebeserklärung kann man unendlich oft spielen lassen. Man kann sich Tausend Mal darin ergehen, die Begegnung zwischen Romeo und Julia mit zu verfolgen. Ihre Liebesszene dagegen lässt einen doch eher kalt. Oder aber es ist wie bei Beineix in BETTY BLUE wenn das Mädchen sagt: „Das ist das erste Mal, dass wir uns bei Licht sehen", nach der Bettszene mit der der Film beginnt. Das macht Sinn und dient der Geschichte des Films.

Y wie Y A-T-IL QUOI QUE CE SOIT A REJOUTER?" (Gibt es noch etwas hinzuzufügen?)

Nein, alles andere ist im Film.

Z wie ZEN?

Nach meinem ersten Film hatte ich große Angst, man würde mich keinen zweiten drehen lassen. Auch nach dem zweiten Film verspürte ich eine große Ungewissheit, nicht den dritten machen zu dürfen. Nach 25 Jahren Karriere sage ich mir nun, wenn ich keinen Film mehr mache, dann ist das nicht so dramatisch. Ich bin da viel mehr „Zen" geworden. Geld und Erfolg interessieren mich auch immer weniger. Nachdem ich miterlebt habe, wie acht Filme in den Kinos gestartet wurden, weiß ich, dass am Ende nur die Qualität eines Films übrig bleibt: „Bin ich mit dem Resultat zufrieden?" „Habe ich das Maximum gegeben?" „Was bleibt von einem Film nach 5 Jahren?" Das ist es, was zählt. Den Rest vergisst man, die kleinen Scherereien beim Kinostart… 10 Jahre später bleibt davon nicht viel übrig.

 

DIE SCHAUSPIELER

JAMEL DEBBOUZE (André)

Jamel Debbouze, 1976 in Marokko geboren, kam 1979 mit seiner Familie nach Frankreich und wuchs in den Vororten von Paris auf. Bei einem Verkehrsunfall verlor er 1989 einen Arm. Der schlagfertige Witz des nur 1,65 m großen Künstlers, gepaart mit dem Beurre-Akzent, dem Sprach-Mix der französischen Banlieues, hat Jamel Debbouze innerhalb kürzester Zeit zu einem der beliebtesten jungen Fernsehstars und Stand-up Comedians Frankreichs gemacht.

1998 begann er als Schauspieler in Kinofilmen wie ZONZON und LE CIEL, LES OISEAUX ... ET TA MÈRE! mit zu wirken. Nebenrollen in DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE und ASTERIX UND OBELIX: MISSION KLEOPATRA trugen zu seiner Popularität als Komiker bei. 2005 wurde zu einem wichtigen Einschnitt in seiner Karriere, als Luc Besson ihm in ANGEL-A seine erste Hauptrolle anbot. Danach stand er für INDIGÈNES (dt. Eingeborene) von Rachid Bouchareb vor der Kamera, der die vergessenen Soldaten des 2. Weltkriegs zum Thema hat.

Filmografie (Auswahl):

1994 LES PIERRES BLEUES DU DÉSERT (Kurzfilm)

Regie: Nabil Ayonih

1996 Y’A DU FONTAGE DANS L’AIR (Kurzfilm)

Regie: Djamel Bensalah

1998 ZONZON

Regie: Laurent Bonhuic

1999 LES OISEAUX, LE CIEL … ET TA MÈR!

Regie: Djamel Bensalah

2001 LE FABULEUX DESTIN D’ AMÉLIE POULAIN (Die fabelhafte Welt der Amélie)

Regie: Jean-Pierre Jeunet

2002 ASTÉRIX & OBÉLIX: MISSION CLÉOPATRE (Asterix & Obelix: Mission Kleopatra)

Regie: Alain Chabat

LE BOULET (Ball & Chain)

Regie: Alain Berbérian und Frédéric Forestier

2005 ANGEL-A (Angel-A)

Regie: Luc Besson

FRAGEN AN JAMEL DEBBOUZE

Erstes Treffen mit Luc Besson?

Das war in der Normandie. Er wurde dort an den Strand gespült und ich habe ihn dann wiederbelebt. Um mir zu danken, bot er mir die Hauptrolle in seinem nächsten Film an. Von dem Punkt an, haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren.

Erste Worte zum Film?

Das war in Cannes, und er sagte zu mir: „Ich mag sehr was du machst" und ich antwortete ihm: „Ich mag sehr, was du machst". Dann fügte er hinzu: „Lass uns versuchen, etwas zusammen zu machen und dabei die gleiche Freude bei der Arbeit zu haben, wie später beim Sehen". Danach sind wir uns ziemlich oft begegnet, weil wir eine ganze Menge gemeinsamer Freunde haben. Und eines schönen Tages kam er mit dem Drehbuch von ANGEL-A und sagte zu mir: „Ich möchte nicht behaupten, dich zu kennen, aber ich glaube, ich habe etwas geschrieben, was dir gefallen könnte. Sag du es mir."

Erste Reaktion?

Ich empfand diese Arbeitsweise als sehr großzügig. Ich habe wirklich das Gefühl gehabt, dass er mir die Rolle auf den Leib geschrieben, und mich dabei seltsamerweise gut getroffen hatte. Ich wusste, woran er beim Schreiben dachte und wohin er mich führen wollte, wobei er alles berücksichtigte, vor dem ich bis dahin zurückschreckte, alles was ich wirklich machen wollte und alles was ich bis dahin abgelehnt hatte.

Erster Drehtag?

Ich tat zwei Dinge, die ich sonst nicht tue. Zuerst kam ich pünktlich um 5 Uhr morgens, weil ich Luc so meinen Respekt erweisen und beeindrucken wollte. Außerdem hatte ich gar keine Wahl. Man musste seinen Text bis aufs Komma kennen, um zu vermeiden, Zeit zu verlieren und um mit der Präzision von Luc mitzuhalten. Vor allem aber habe ich ihm mein Vertrauen geschenkt, was ich nur selten tue. Ich bin da wie ein Tier: Man hat mich schon so oft verarscht, mir so viele falsche Versprechungen gemacht, die nie eingehalten wurden, dass ich jetzt immer auf der Hut bin. Aber zu einem Typen, der so selbstsicher schien, fasste ich Vertrauen.

Vertrauen auch beim ersten Stunt?

Natürlich. Luc wollte, dass ich mich von einer Brücke ins Leere stürze. Da muss man Vertrauen haben. Und eine gute Versicherung. Aber Luc war immer da, um mich zu beruhigen. Das ist es ja, was ihn so besonders macht: Das Seelenheil seiner Schauspieler liegt ihm sehr am Herzen.

Erste Überraschung?

Verrückt ist, dass Luc manchmal gedreht hat wie bei einem Kurzfilm: Wir waren zu siebt oder acht in einem Kleinbus, er mit der Kamera auf der Schulter, und wir fuhren quer durch Paris bis wir eine Ecke fanden, die uns gefiel und dann drückten wir aufs Tempo und drehten ganz schnell. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass er mit diesem Film an seine Anfänge zurückkehrte.

Erste Aufnahme?

Meistens drehte er zwei. Die erste konnte die Richtige sein, aber er drehte noch eine Zweite, zur Sicherheit. An einem Drehtag, wo alle müde waren, haben wir eine Szene 40 mal gedreht. Aber an diesem Tag waren alle irgendwie schlapp.

Erste Begegnung mit Rie Rasmussen?

Alles, was ich dazu sagen kann, ist: Sie fand im Zimmer 110 eines Hotels statt. Aber mehr Einzelheiten verrate ich nicht!

Erste Begegnung mit Gilbert Melki?

Auch im Zimmer 110, aber nicht zum gleichen Zeitpunkt.

Erstes Treffen mit dem Drehteam?

Am ersten Tag fühlt man sich ein wenig „fremd" in dieser Sekte. Thierry Arbogast, Jean-Pierre Mas… sie kennen sich schon so gut, dass sie nicht groß miteinander reden müssen, sie funktionieren ganz automatisch. Das ist beeindruckend und angenehm, weil es schnell geht. Und wenn wir Eines bei diesen Dreharbeiten nicht gemacht haben, dann war es, Zeit zu verlieren!

Erstes Mal als der „komische" Jamel die Überhand gewann?

Nicht vor dem letzten Drehtag, beim Abschlussfest. Davor habe ich immer darauf geachtet, sehr konzentriert zu bleiben. Ich wollte diesen Film wirklich nicht vermasseln.

Erste Sichtung des Films?

Am Tag der letzten Aufnahme. Luc hatte für uns ein kleines Feature inklusive Patzer zusammengestellt, ohne Lichtbestimmung oder Tonabmischung. Schon da bekam man Lust auf den Film. Ich bin so stolz darauf, diesen Film gemacht zu haben. Das ermöglichte mir an Seiten zu arbeiten, die ich an mir gar nicht kannte und die Luc verstand aus mir heraus zu kitzeln. Er führte mich zu einer Musik, die ich in mir nie gehört hatte.

Erstes Treffen mit einem Engel?

Er beugte sich über mich, um mir mein erstes Fläschchen zu geben. Dieser Engel gab mir die Kraft und die Lust, diesen Beruf auszuüben, und mich dabei so gehen zu lassen. Es ist meine Mutter.

Erster gesehener Film von Luc Besson?

NIKITA - und ich war voll beeindruckt! Das war ein Mix aus dem, was ich bei den Amerikanern liebe und bei den Franzosen auch: eine gute Geschichte, eine ehrliche Absicht und eine einfache Art der Regie mit intelligenter Action, die dafür sorgt, dass jede Kugel Sinn macht. Wenn Luc eines kann, was mich beeindruckt, dann ist es, dass er sich in die Leute hineinversetzt, die er erreichen will. Das ist eine Gabe. Man spürt seine Ernsthaftigkeit, wenn man sich seine Filme anschaut und so ist man aufrichtig berührt.

 

RIE RASMUSSEN (Angela)

Rie Rasmussen wurde 1978 in Kopenhagen geboren und verbrachte die Kindheit mit neun Geschwistern in Dänemark und die Jugend in Kalifornien. 2001 begann sie ihre Model-Karriere bei der Victoria’s Secret Lingerie Fashion Show. Das Multitalent lebt und arbeitet als Model (u.a. das Gesicht der Gucci-Kampagne), Schauspielerin und Regisseurin in den USA. Rie fotografiert, malt und studiert Film. Ihren Durchbruch als Schauspielerin hatte sie 2002 als Veronica in Brian De Palmas Erotik-Thriller FEMME FATALE an der Seite von Rebecca Romijn und Antonia Banderas. 2004 drehte Rie Rasmussen zwei Kurzfilme, zu denen sie auch die Drehbücher schrieb: die italienische Komödie IL VESTITO und die Luc Besson-Produktion THINNING THE HERD, die in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde. In ANGEL-A spielt Rie Rasmussen ihre erste Hauptrolle.

Filmografie:

2002 FEMME FATALE (Femme Fatale)

Regie: Brian De Palma

2004 THINNING THE HERD (Kurzfilm)

Regie: Rie Rasmussen

IL VESTITO (Kurzfilm)

Regie: Rie Rasmussen

2005 ANGEL-A (Angel-A)

Regie: Luc Besson

WER BIST DU, RIE RASMUSSEN?

Woher kommst Du?

Ich bin in Dänemark geboren, habe aber meine gesamte Jugend in Südkalifornien verbracht. Weil ich in vielen Ländern lebte (u.a. auch Frankreich und Großbritannien) fühle ich mehr international. Ich habe für mich beschlossen, mir meine eigene Kultur zu schaffen, indem ich mir das beste aus diesen Gesellschaften und Kulturen heraushole.

Was machst Du, wenn du nicht spielst?

Eigentlich ist es mein Wunsch, Drehbuchautorin und Regisseurin zu werden. Für viele ist das Kino ja nur durch Schauspieler definiert, für mich durch den Regisseur. Was ich an diesem Beruf so mag, ist es, Geschichten zu erzählen. Ich verstehe nicht, wie Regisseure nicht selber schreiben können; ganz zu schweigen von Schauspielern, die einen Preis dafür erhalten, dass sie einen Dialog sprechen, den sie nicht einmal geschrieben haben.

Inwiefern bist Du eine „Kinokennerin"?

Ich schaue Filme seitdem ich alt genug bin, an den Einschaltknopf des Fernsehers zu gelangen! Ich erinnere mich sehr genau an den ersten Film, der mich – als ich noch ganz klein war – sehr beschäftigte: DAS SÜSSE LEBEN von Fellini. In Dänemark wuchs ich mit den Dogma Filmen auf, von unbekannten Filmemachern und lange bevor diese Art des Kino-Machens so stark mediatisiert wurde. Als ich das amerikanische Kino entdeckte, begeisterte ich mich vor allem für die schwarze Serie wie: TOTE SCHLAFEN FEST, DER MALTESER FALKE, KEY LARGO... sie gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Aber es gibt auch THE WILD BUNCH von Sam Peckinpah und seine Art die Zeitlupe zu verwenden. Von meinem Vater übertrug sich die Liebe zu Sergio Leone, Woody Allen und Clint Eastwood.

Wie hast Du Luc Besson kennen gelernt?

Über sein Kurzfilmprogramm bei seiner Firma Europa Corp. Ich hatte ihnen ein Drehbuch zu einem Spielfilm geschickt. Daraufhin rieten sie mir, ich solle erst einen Kurzfilm schreiben, den ich dann mit ihrer Hilfe realisierte. Dieser wurde schließlich vom Filmfestival Cannes ausgewählt.

Wie gut kanntest Du die Filme von Luc Besson?

Bild für Bild, Einstellung für Einstellung. Er ist einer meiner Lieblingsregisseure und ich nenne ihn in einem Atemzug mit Orson Welles, John Huston, Howard Hawkes, Sam Peckinpah, Bob Fosse oder Brian de Palma. IM RAUSCH DER TIEFE war einer der ersten Filme, die ich auf Videokassette kaufte. Ich entdeckte ihn in Dänemark und die gesamte Familie war verrückt nach dem Film! Ich mag auch NIKITA sehr, vor allem das Licht in dem Film.

Dann musst Du es genossen haben, mit Thierry Arbogast zu drehen?

Das war außergewöhnlich! Ich hatte ihn ja schon zu den Dreharbeiten von FEMME FATALE von Brian de Palma getroffen, wo ich eine kleine Rolle spielte. Ich hörte nicht auf, um ihn herum zu kreisen. Ich habe ja mit der Fotografie angefangen und meine Mutter hat mich mit dem Virus der Malerei infiziert. Ich achte sehr auf das Licht, das ist für mich essentiell.

Wie hat Luc Besson mit Dir über den Film und die Figur der Angela geredet?

Von dem Moment an, wo er das Drehbuch beendete. Das ist alles, was ich Ihnen dazu sagen kann. Und ich habe geweint, als ich das Drehbuch las. Dabei bin ich eigentlich ein starkes Mädchen.

Fühlst Du Dich dieser Figur nahe?

Man kann nicht sagen, dass sie mir ähnelt, aber ich fühle mich ihr nahe in dem, was Luc mit ihr ausdrücken wollte: Eine ideale Frau zu erschaffen, eine Person, die nur versucht Gutes zu tun.

Welche Erinnerungen hast Du an Deine erste Begegnung mit Jamel?

Schon bevor ich ihn traf, war ich voller Respekt was seine Wurzeln, seine Kultur, sein Erbe anging. Danach lieh ich mir seine DVDs aus und wurde zum Fan. Als ich ihn traf, fiel es mir schwer, nicht mit Zitaten aus seinen Shows zu antworten. Und schon in den Proben wurde klar, zwischen uns stimmte die Chemie.

Hast Du Paris durch den Film anders kennen gelernt?

Ich kannte Paris schon ziemlich gut – auch um 4 Uhr morgens – weil ich seit über 10 Jahren regelmäßig dorthin fahre. Allerdings hatte ich das Gefühl, an einem langen Filmschwenk zur Pariser Kinogeschichte mitzumachen, von AUSSER ATEM bis DIE AUSSENSEITERBANDE. Wenn es nach mir ginge, müsste man Paris immer in Schwarz-Weiß filmen.

Was hast Du als Regisseurin von Luc Besson gelernt?

Vor allem eine Lektion: Kenne die Arbeit jedes Einzelnen besser als die Anderen, um dann feinfühlig Aufgaben zu verteilen. Luc kann das während eines Drehs, es ist schön, das mit anzusehen.

Hast Du weitere Projekte mit ihm?

Das ist doch egal. Ich bin so stolz darauf, diesen Film gemacht zu haben, dass alles was nun kommt, nur noch die Kirsche auf der Torte ist. ANGEL-A ist so wie kein anderer Film. Sie werden überrascht sein!

 

GILBERT MELKI (Franck)

In Frankreich wurde Gilbert Melki einem breiten Publikum durch die (in Deutschland im Fernsehen ausgestrahlte) Komödie LA VÉRITÉ SI JE MENS (TV-Titel: Lügen haben kurze Röcke) von Thomas Gilou bekannt. Seitdem hat er seine Bandbreite in vielen Filmen unter Beweis gestellt, vor allem in der Rolle eines sensiblen Bullen in der Trilogie von Lucas Belvaux: EIN TOLLES PAAR, CAVALE – AUF DER FLUCHT und NACH DEM LEBEN. In SCHÖNE VENUS oder REINES D’UN JOUR spielte er den Verführer und vor kurzem kehrte er mit Filmen wie CRUSTACÉS ET COQUILLAGES und PALAIS ROYAL! zur Komödie zurück. ANGEL-A ist seine erste Zusammenarbeit mit Luc Besson.

Filmografie (Auswahl):

1997 UN AMOUR DE SORCIÈRE (Der Hexenclub von Bayonne)

Regie: René Manzor

LA VÉRITÉ SI JE MENS

Regie: Thomas Gilou

1999 VÉNUS BEAUTÉ (INSTITUT) (Schöne Venus)

Regie: Tonie Marshall

2002 AU PLUS PRÈS DU PARADIS (Dem Paradies ganz nah)

Regie: Tonie Marshall

CAVALE (Cavale – Auf der Flucht)

Regie: Lucas Belvaux

UN COUPLE ÉPATANT (Ein tolles Paar)

Regie: Lucas Belvaux

APRÈS LA VIE (Nach dem Leben)

Regie: Lucas Belvaux

2003 MONSIEUR IBRAHIM ET LES FLEURS DU CORAN

(Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran)

Regie: Francois Dupeyron

2005 CRUSTACÉS ET COQILLAGES

Regie: Olivier Ducastel und Jacques Martineau

PALAIS ROYAL!

Regie: Valérie Lemercier

ANGEL-A (Angel-A)

Regie: Luc Besson

GILBERT MELKI AUF UNBEKANNTEM GEBIET

Was können Sie uns über den Film und ihre Figur erzählen?

Eigentlich nicht viel, weil ich das Drehbuch nicht gelesen habe und nur die Teile der Geschichte kenne, in denen ich mitspiele. Ich kann ihnen beispielsweise nicht sagen, wie der Film endet. Als mir Luc die Rolle von Franck anbot, der eine Art Gangsterboss mit Leibwächtern ist, gab er mir nur „meine Szenen" zu lesen, also drei mit Jamel, in denen man sieht, wie sich seine Figur (Andrè) entwickelt.

Hat Sie das nicht verunsichert, zu drehen ohne das Drehbuch zu kennen?

Nein, es war weit weniger beunruhigend als ich zunächst dachte. Das ist wirklich eine Vertrauenssache. Als Luc mir das erste Mal von dem Film erzählte, hat er mir die Frage folgendermaßen gestellt: „Vertrau’ mir: Sag Ja und ich lass dich lesen." Nun wollte ich natürlich schon etwas aus dem Drehbuch lesen, bevor ich ihm meine Antwort gab. Ich bat auch um ein wenig Bedenkzeit und redete mit vielen Bekannten und Freunden – aber dann sagte ich zu.

Was gab den Ausschlag, die Rolle des Franck anzunehmen?

Die Lust mit Luc Besson einen Film zu drehen, der zwar über erhebliche finanzielle Mittel verfügte, aber nicht so eine Großproduktion wie DAS FÜNFTE ELEMENT war. Ich empfand für einen Film wie SUBWAY fast zärtliche Gefühle und war sehr neugierig darauf mit anzusehen, wie ein Film funktioniert, bei dem Luc Regie führt. Ich wollte auch mit Jamel drehen, den ich seit langer Zeit gut kenne und mit dem ich mich gut verstehe.

Es scheint Ihnen Spaß zu machen, die Genres zu wechseln und ihre Palette im Spiel ständig zu erweitern?

Das ist es ja, was an diesem Beruf so schön ist. Ich glaube, Luc mochte besonders die Rolle, die ich in LA VÉRITÉ SI JE MENS spielte, und in der Figur des Franck findet man ein wenig von dieser Variation eines Gauners wieder.

 

DIE CREW

LUC BESSON (Regie, Drehbuch, Produktion)

Luc Besson wurde 1959 in Paris geboren und wuchs am Mittelmeer auf, wo seine Eltern als Tauchlehrer arbeiteten. 1980 begann er als Regieassistent zu arbeiten, und bereits 1983 inszenierte er seinen ersten Kinofilm DER LETZTE KAMPF, der viele internationale Preise gewann. Danach drehte Besson SUBWAY mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, der ihm 13 César-Nominierungen und Lambert einen César einbrachte – und heute Kult-Status genießt. 1988 folgte IM RAUSCH DER TIEFE, der zu einem der erfolgreichsten Filme Frankreichs wurde. NIKITA fand ebenfalls weltweit Beachtung und führte zu Remakes in Hollywood und Hongkong. Danach inszenierte er ATLANTIS, LEON – DER PROFI und DAS FÜNFTE ELEMENT mit Bruce Willis in der Hauptrolle, ein Welterfolg bei der Kritik und an der Kinokasse. Nach JOHANNA VON ORLEANS mit Milla Jovovich in der Hauptrolle, legte Besson eine mehrjährige Pause als Regisseur ein. Er blieb allerdings als Drehbuchautor produktiv, oft gemeinsam mit Robert Mark Kamen.

Luc Besson produzierte oder co-produzierte bislang ca. 70 Filme, darunter KISS OF THE DRAGON, TAXI und THE TRANSPORTER, und gründete gemeinsam mit Pierre-Ange Le Pogam ein eigenes Studio, das nicht nur 4-8 Filme pro Jahr produziert, sondern auch einen Filmverleih, Video- und Weltvertrieb sowie einen Musikverlag unter seinem Dach vereint.

ANGEL-A ist seine erste Regiearbeit seit 1999, gefolgt von ARTHUR AND THE MINIMOYS, der sich zur Zeit in Postproduktion befindet.

Filmografie (Auswahl):

1981 L'AVANT DERNIER Regie, Produktion

1983 LE DERNIER COMBAT (Der letzte Kampf) Regie, Drehbuch, Produktion

1985 SUBWAY (Subway) Regie, Drehbuch, Produktion

1986 KAMIKAZE (Kamikaze) Drehbuch, Produktion

1988 LE GRAND BLEU (Im Rausch der Tiefe) Regie, Drehbuch, Co-Produktion

1990 NIKITA (Nikita) Regie, Drehbuch, Co-Produktion

1991 ATLANTIS (Atlantis) Regie, Kamera, Schnitt,

Co-Produktion

1993 L'ENFANT LION (Sirga – Die Löwin) Ausführende Produktion

1994 LÉON (Leon - Der Profi) Regie, Drehbuch, Co-Produktion

1997 NIL BY MOUTH (Nil by Mouth) Produktion

THE FIFTH ELEMENT (Das Fünfte Element) Regie, Drehbuch

1998 TAXI (Taxi) Drehbuch, Produktion

1999 THE MESSENGER: THE STORY OF JOAN OF ARC Regie, Drehbuch, Co-Produktion

(Johanna von Orleans)

2000 TAXI 2 (Taxi Taxi) Drehbuch, Produktion

THE DANCER (The Dancer) Drehbuch, Produktion

2001 YAMAKASI – LES SAMOURAIS DE TEMPS Drehbuch

MODERNES (Yamakasi – Die Samurai der Moderne)

15 AOÛT (Wochenende!) Produktion

KISS OF THE DRAGON (Kiss of the Dragon) Drehbuch, Produktion

WASABI (Wasabi – Ein Bulle in Japan) Drehbuch, Produktion

2002 LA TURBULENCE DE FLUIDES Produktion

PEAU D'ANGE Produktion

LE TRANSPORTEUR (The Transporter) Drehbuch, Produktion

2003 TAXI 3 Drehbuch, Produktion

FANFAN LA TULIPE (Fanfan der Husar) Produktion

2004 LES RIVIÈRES POURPRES II – Co-Produktion

LES ANGES DE L’APOCALYPSE

(Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apocalypse)

TAXI (New York Taxi) Drehbuch, Produktion

2005 DANNY THE DOG (Unleashed – Entfesselt) Drehbuch, Produktion

TRANSPORTER 2 (Transporter 2) Drehbuch, Produktion

COLOUR ME KUBRICK Co-Produktion

ANGEL-A (Angel-A) Regie, Drehbuch, Produktion

2006 BANDIDAS Drehbuch, Produktion

ARTHUR AND THE MINIMOYS Regie, Drehbuch, Produktion

 

THIERRY ARBOGAST (Kamera)

Thierry Arbogast ist der wohl renommierteste und meistbeschäftigte Kameramann Frankreichs. Zu seinen Filmen gehören die Luc Besson Filme NIKITA, LEON – DER PROFI, DAS FÜNFTE ELEMENT und JOHANNA VON ORLEANS ebenso wie ICH KÜSSE NICHT und MEINE LIEBSTE JAHRESZEIT von André Téchiné, DER HUSAR AUF DEM DACH von Jean-Paul Rappenau, SCHWARZE KATZE, WEISSER KATER von Emir Kusturica oder auch DIE PURPURNEN FLÜSSE von Mathieu Kassovitz.

Für seine aufsehenerregende Kameraarbeit wurde Arbogast mit etlichen Preisen ausgezeichnet: Für BON VOYAGE und DER HUSAR AUF DEM DACH sowie DAS FÜNFTE ELEMENT bekam er den begehrten César, für SCHWARZE KATZE, WEISSER KATER wurde er 1998 mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus gewann er für SHE'S SO LOVELY – ALLES AUS LIEBE (1997) von Nick Cassavetes und DAS FÜNFTE ELEMENT (1997) von Luc Besson den Großen Preis der Technik beim Filmfestival in Cannes.

15 Jahre nach ihrer ersten Zusammenarbeit mit NIKITA feiern Luc Besson und Thierry Arbogast nun mit ANGEL-A ihren fünften gemeinsamen Film. Der sechste, ARTHUR AND THE MINIMOYS, befindet sich derzeit in Postproduktion.

Filmografie (Auswahl):

1989 UNE HISTOIRE DE VENT (Eine Geschichte über den Wind)

Regie: Joris Ivens

1990 NIKITA (Nikita)

Regie: Luc Besson

1991 J’EMBRASSE PAS (Ich küsse nicht)

Regie: André Téchiné

1993 MA SAISON PRÉFÉRÉE (Meine liebste Jahreszeit)

Regie: André Téchiné

1994 LEON (Leon – Der Profi)

Regie: Luc Besson

1995 LE HUSSARD SUR LE TOIT (Der Husar auf dem Dach)

Regie: Jean-Paul Rappeneau

1996 RIDICULE (Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins)

Regie: Patrice Leconte

1997 THE FIFTH ELEMENT (Das Fünfte Element)

Regie: Luc Besson

SHE’S SO LOVELY (She’s So Lovely – Alles aus Liebe)

Regie: Nick Cassavetes

1998 CRNA MACKA, BELI MACOR (Schwarze Katze, weißer Kater)

Regie: Emir Kusturica

1999 THE MESSENGER: THE STORY OF JOAN OF ARC (Johanna von Orleans)

Regie: Luc Besson

2000 WOMAN ON TOP (Woman on Top)

Regie: Fiona Torres

LES RIVIÈRES POURPRES (Die Purpurnen Flüsse)

Regie: Mathieu Kassovitz

2002 FEMME FATALE (Femme Fatale)

Regie: Brian De Palma

2003 BON VOYAGE

Regie: Jean-Paul Rappeneau

2005 ANGEL-A (Angel-A)

Regie: Luc Besson

2006 ARTHUR AND THE MINIMOYS

Regie: Luc Besson

DAS SCHWARZ-WEISS VON THIERRY ARBOGAST

Was macht das Besondere an Ihrer Zusammenarbeit mit Luc Besson aus ? Wenig Worte, um sich zu verstehen?

Das trifft es ganz gut: Luc bereitet den Film in seinem Kopf gut vor, geht aber sehr sparsam mit den Informationen um, die er einem weiter gibt. Indem er nur das Minimum tut, kommt er zum Notwendigen. Vor den Dreharbeiten haben wir 45 Minuten unter vier Augen über die Leitlinie der Fotografie im Film geredet. Natürlich haben wir über das Schwarz-Weiß in MANHATTAN von Woody Allen geredet, und das fügte sich ganz gut, weil der Kameramann des Films, Gordon Willis, einer meiner Lieblingskameramänner ist, zusammen mit Vittorio Storaro (APOCALYPSE NOW). Luc hatte mir auch einige Fotos mitgebracht, die mich auf den Weg bringen sollten. Dann haben wir über die Drehbedingungen gesprochen: schnell, mit reduziertem Team und sehr frühen Drehzeiten am Morgen, um Paris zu filmen. Luc hatte mir angekündigt, dass dieser Film auf sehr einfache Art gedreht würde und so war es auch. Dabei ist das Resultat durchaus komplex und ausgeklügelt.

Machte es Ihnen Freude, an einem Schwarz-Weiß Film zu arbeiten?

Heutzutage wird es im Kino nur wenig verwendet. Schwarz-Weiß hat diese ungeheure Macht einen Film zu poetisieren. Es vereinfacht das Bild und wirft die Schauspieler auf die Reinheit ihres Spiels zurück. Nichts lenkt vom Bild ab, und das Licht rückt in den Vordergrund. Als ich jünger war, habe ich sehr viel über diesen Beruf gelernt, indem ich Schwarz-Weiß Portraits meiner Klassenkameraden anfertigte. Mit Schwarz-Weiß-Fotografie lernt man sehr viel über diesen Beruf und erhält sofort eine direkte Beziehung zum Kontrast und zum Licht.

Was ist das Schwierigste am Schwarz-Weiß?

Man muss innerhalb einer Szene sehr auf die Anschlüsse achten, kann aber durchaus starke Kontraste – beispielsweise bei Personen, die fast silhouettenhaft erscheinen – mit weichen Kontrasten abwechseln. Meine Lieblingsfilme sind der bereits erwähnte MANHATTAN und DR. STRANGELOVE. In beiden Fällen hatten die Regisseure die Wahl auch in Farbe zu drehen, entschieden sich jedoch für Schwarz-Weiß. Im französischen Kino möchte ich LA MAMAM ET LA PUTAIN von Jean Eustache zitieren.

Was sind die Konsequenzen eines Schwarz-Weiß Drehs auf die Farben des Dekors und der Kostüme?

Dreht man im Studio, so ist es ideal, auch Kostüme und Bauten in Schwarz-Weiß zu haben; das hilft sehr bei der Konzentration auf das Innere eines Bildes. Einige Farben halten unangenehme Überraschungen bereit, sie können sich je nach Lichteinstrahlung verändern. Was das Filmnegativ angeht, habe ich mich jedoch für ein Farbnegativ entschieden, weil sich die Schwarz-Weiß Negative seit den 40er Jahren nicht groß verändert haben. Bei einem Farbnegativ ist das Bild kaum körnig, und man sieht noch sehr viele Details in der Unter- oder Überbelichtung. Und weil ich ein sehr samtenes Schwarz-Weiß wollte, habe ich was den Kontrast angeht lieber mit dem Licht gespielt, als mit dem Ausgangsmaterial.

Der Film war von einem großen Geheimnis umgeben. Was wussten Sie genau von dem Projekt in dem Moment als Sie drehten?

Luc war der Meinung, dass der Kostümbildner und der Ausstatter und viele andere Mitarbeiter, mich eingeschlossen, nicht das Drehbuch lesen mussten, um keine zu genauen Ideen über den Look des Films zu haben. Wenn man liest, neigt man dazu, sich den Film zu erträumen und Luc wollte unseren jungfräulichen Blick auf den Film, offen für jede ästhetische Interpretation. Er zeigte mir dann schon einige Dekors, damit ich einige technische Anhaltspunkte gewinne. Aber insgesamt gefiel mir diese Herangehensweise an den Film. Ich bin kein großer Fan vom Drehbuch lesen und halte das immer für eine etwas undankbare Aufgabe.

Gab es eine Szene, die besonders schwer zu drehen war?

Ehrlich gesagt, keine. Luc hatte Recht als er sagte, es würde sehr einfach. Seine Art das Licht in das Dekor mit einzubeziehen macht Dreharbeiten sehr leicht. Das ist ein Prinzip bei ihm. Allerdings war ich überrascht, dass er erstmals Plansequenzen drehte. Normalerweise löst er Szenen viel mehr auf.

Wie haben Sie die Pariser Wahrzeichen ausgeleuchtet?

Die musste ich nicht ausleuchten. Die wurden vom Licht des Kosmos angestrahlt, vom Himmel, der Sonne den Wolken... Es war ausreichend, früh aufzustehen und die schönsten Pariser Lichter einzufangen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Dreharbeiten?

Uns jeden Sonntagmorgen um 4 Uhr früh zu treffen, um Paris im Licht der ersten Sonnenstrahlen zu drehen. Das sind sehr starke Erinnerungen: Paris entleert von seinen Autos in einer irrealen Atmosphäre badend. Es ist genau diese Stimmung, die wir im Film wiederfinden.

DIE MUSIK ZUM FILM

Ein wundervoller Film - Ein wundervoller Soundtrack!

Die Soundtracks zu Luc Besson Filmen sind immer aufregend anders – man denke da nur an IM RAUSCH DER TIEFE, NIKITA oder DAS FÜNFTE ELEMENT – und so ist es kein Wunder, dass uns auch zu seinem neuen Film ANGEL-A musikalisch etwas besonderes erwartet. Der Soundtrack zum Film stammt fast ausschließlich aus der Feder von der außergewöhnlichen und eigenwilligen norwegischen Sängerin/Songwriterin Anja Garbarek.

Geboren 1970, wuchs Anja Garbarek als einziges Kind des Komponisten/Saxophonisten Jan Garbarek, seines Zeichens anerkanntes Genie der zeitgenössischen europäischen Jazzszene, in der Gegend von Oslo auf. Von Kindesbeinen an war sie von Musikern umgeben und somit wurde ihr musikalisches Talent von Beginn an gefördert. Nach bisher 3 erfolgreichen Alben, bei denen sie unter anderem mit Mark Hollis von Talk Talk, Robert Wyatt und dem Massive Attack/Björk/Madonna-Produzent Marius DeVries zusammengearbeitet hat, erscheint Ende März 2006 ihr viertes Album „Briefly Shaking" bei Virgin Music.

Den ANGEL-A Soundtrack könnte man letztendlich auch als ihr „inoffizielles" fünftes Album bezeichnen, denn bis auf 4 der insgesamt 18 Titel, hat Anja Garbarek die gesamte Musik zum Film komponiert. Herausgekommen ist ein wunderschöner späherischer und emotionaler Soundtrack, der zum träumen einlädt und perfekt zu Luc Bessons humorvoller Lovestory passt.

„Can I Keep Him" ist ein wundervoller Lovesong und die Single zum Film. Das tolle Video dazu zeigt neben ein paar Filmausschnitten natürlich auch Anja Garbarek selbst, welche zu recht oft mit der Ausnahmekünstlerin Björk verglichen wird. Ihre Stimme ist aufregend geheimnisvoll und man wird sie dieses Jahr garantiert noch oft zu hören bekommen!

1 Beyond my control Anja Garbarek

2 Can I keep him Anja Garbarek

3 It's just a game Anja Garbarek

4 Thank you Franck Anja Garbarek

5 Her room Anja Garbarek

6 André running Anja Garbarek

7 No trace of grey Anja Garbarek

8 The cabinet Anja Garbarek

9 A. on bridge Anja Garbarek

10 Spin the context Anja Garbarek

11 It's just a game (instrumental) Anja Garbarek

12 Le corridor Anja Garbarek

13 Balloon Mood Anja Garbarek

14 André face au miroir Anja Garbarek

15 Crossroads Eat

16 Captivante Radar

17 Under your wings Hiro My Hero

18 Angel Alexandre Azaria

    
                                                                                                                            91 Min

André (Jamel Debbouze) kann sich nicht mehr auf die Straße trauen. Zu lange hat sich der kleinwüchsige Marokkaner mit seinen Gaunereien durchs Leben geschlagen, jetzt ist die Geduld seiner Gläubiger endgültig am Ende. Was tun? André sieht nur noch eine Lösung: die Seine. Doch gerade als er sich von einer Brücke ins Wasser stürzen will, entdeckt er auf der Brüstung eine Frau (Rie Rasmussen), die offensichtlich das Gleiche vorhat. Als sie tatsächlich springt, zögert André keine Sekunde und rettet sie. Die schöne Angela mit den endlos langen Beinen heftet sich fortan wie eine Klette an den glücklosen André, und wie durch ein Wunder scheint sich seine Pechsträhne plötzlich ins Gegenteil zu wandeln. Könnte seine Begegnung mit der geheimnisvollen Blondine, seinem rettenden Engel, am Ende gar kein Zufall gewesen sein?

 

VORWORT VON LUC BESSON

Mein erster großer Nervenkitzel bei diesem Film war, Paris wieder zu entdecken. DER LETZTE KAMPF (1983) hatte mir einen flüchtigen Blick auf das Gerippe dieser Stadt erlaubt. SUBWAY (1985) führte mich hinab in ihre Eingeweide. Zur Erkundung übrig geblieben war für mich das wahre, schöne Paris – das jedes Jahr Millionen von Touristen bezaubert und an dem wir Pariser jeden Morgen vorbeilaufen, gesenkten Hauptes, verloren in unserem persönlichen Paradies. Nach all den Jahren verspürte ich ein brennendes Verlangen, die Wunder dieser Stadt zu filmen, die 40 Jahre lang meinen Kummer und mein Glück begleitet hat.

Der zweite Nervenkitzel war, wieder Aug’ in Aug’ mit Schauspielern zu sein. Ich hatte sechs Jahre hinter keiner Kamera mehr gestanden. Ich habe es nicht wirklich vermisst. DAS FÜNFTE ELEMENT und JOHANNA VON ORLEANS direkt hintereinander zu drehen, mit kaum einem Wochenende dazwischen, hatte mich erschöpft und mir fast die Lust an dem ganzen Arbeitsprozess genommen. Bei ANGEL-A war die Freude schon am ersten Probentag wieder da. Diese Freude, die Dialoge aus dem Munde eines anderen zu hören. Die Worte in tausend Nuancen oder Ausdrucksweisen zu verpacken, sie unendlich zu verschmelzen – suchend, packend, lächelnd, lachend und spürend, dass Tränen die Augen wässern.

Dank einer unglaublichen Crew, die zusammen arbeitete wie nie zuvor und Dank zweier wundervoller Schauspieler, denen das Drehbuch auf den Leib geschrieben war, lief der Dreh wie ein Traum. Allen voran Rie. Sie schreibt, malt, fotografiert und inszeniert.

 
 
 

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