Das Leben der Anderen Filmtipp

Ein Aufsehen erregendes Regie-Debüt: Florian Henckel von Donnersmarck, der bereits mit preisgekrönten Kurzfilmen auf sich aufmerksam gemacht hat (u.a. DOBERMANN, DER TEMPLER), schrieb nach intensiven Recherchen in Archiven und bei Historikern und Zeitzeugen das Drehbuch und präsentiert mit DAS LEBEN DER ANDEREN seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. Dabei wagt er etwas Außergewöhnliches, erzählt kompromisslos und mit großer Wahrhaftigkeit eine Geschichte aus dem Innersten der DDR – aber nicht in der bisher so beliebten Form der „DDR-Komödie“. DAS LEBEN DER ANDEREN ist ein intensiver, packender Thriller und eine ergreifende Liebesgeschichte zugleich.

Ein weiteres Novum: Kein Film hat sich bisher in dieser Deutlichkeit mit dem Alltag im Überwachungsstaat auseinander gesetzt. Er zeigt mit bemerkenswerter Konsequenz, dass die Mechanismen, die die DDR aufrechterhielten, letztlich zu ihrem Sturz führten. Voll tief empfundener Menschlichkeit und Wärme folgt er seinen glaubwürdigen Figuren in ihrem Bemühen, einem reglementierten Leben Würde abzugewinnen.

Das Drehbuch überzeugte einige der besten Schauspieler des Landes: Martina Gedeck („Hunger auf Leben“, „Bella Martha“), Ulrich Mühe („Der letzte Zeuge“, „Der Stellvertreter“), Sebastian Koch („Speer und er“), Ulrich Tukur („Die Luftbrücke“, „Taking Sides – Der Fall Furtwängler“), Thomas Thieme („Der Untergang“, „Taking Sides – Der Fall Furtwängler“) und Herbert Knaup („Agnes und seine Brüder“).

Die Kamera bei diesem außergewöhnlichen, dramatischen und emotionalen Kinoereignis führte Hagen Bogdanski („Die Unberührbare“). Schnitt: Patricia Rommel („Nirgendwo in Afrika“). Die Musik stammt von Oscar-Preisträger Gabriel Yared („Der talentierte Mr. Ripley“, „Der Englische Patient“) und Stéphane Moucha.

Eine Produktion der Wiedemann & Berg Filmproduktion GmbH & Co. KG in Co-Produktion mit dem BR, ARTE und Creado Film. Gefördert durch FilmFernsehFonds Bayern, FFA und Medienboard Berlin-Brandenburg.

DAS LEBEN DER ANDEREN wurde am 13. Januar 2006 mit vier Bayerischen Filmpreisen ausgezeichnet: Bester Darsteller: Ulrich Mühe, Bestes Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck, Beste Nachwuchsregie: Florian Henckel von Donnersmarck, Beste Nachwuchsproduzenten (VGF-Preis): Quirin Berg & Max Wiedemann. Von der Filmbewertungsstelle erhielt DAS LEBEN DER ANDEREN das Prädikat „Besonders wertvoll“.

Das Filmbuch zu DAS LEBEN DER ANDEREN erscheint im März 2006 im Suhrkamp Verlag. Das Originaldrehbuch mit zahlreichen Abbildungen und vielen Hintergrundtexten, u. a. von Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch und Ulrich Mühe zur Entstehung des Films, zu den Dreharbeiten und zur Künstlerszene im Überwachungsstaat DDR, bietet Gelegenheit, noch tiefer in DAS LEBEN DER ANDEREN einzutauchen:

Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der anderen. Filmbuch. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006. suhrkamp taschenbuch 3786. 224 Seiten.

Appassionata oder Die erste Idee

Unser Professor an der Münchener Filmschule hatte die Theorie, dass die Fantasie ein Muskel sei, den man trainieren müsse wie Arnold Schwarzenegger seinen Pectoralis. Während allerdings Schwarzenegger die Hantelgewichte langsam steigerte – fünf Kilo mehr pro Monat –, glaubte Längsfeld an vollkommene Überfrachtung: Gleich in den ersten acht Wochen des ersten Semesters hatte jeder seiner Studenten 14 (!) Filmentwürfe zu schreiben und bei seinem Assistenten abzugeben – Ausnahmen und Entschuldigungen waren ausgeschlossen, wie man uns mitteilte. Tagsüber waren wir die ganze Zeit mit Technik-Unterricht beschäftigt, und so blieben uns nur die Nächte für neue Filmeinfälle. Aber wie auf Befehl kreativ sein?

Ich wohnte diese ersten Wochen in München zu Gast bei meiner Tante in der Ismaninger Straße und zog mich nach dem Abendessen immer früh zurück – um zu arbeiten, wie ich sagte, in Wirklichkeit, um rastlos in meinem Zimmer auf- und abzulaufen und mich zu fragen, ob ich den richtigen Beruf gewählt hatte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich in meiner Verzweiflung in meinem Gästezimmer auf den Boden legte, direkt neben meinen Kassettenspieler, und einer Emil-Gilels-Aufnahme der „Mondschein-Sonate“ zuhörte. Einen Moment lang dachte ich nicht daran, dass mir jetzt zumindest eine von 14 Geschichten einfallen müsste, sondern lauschte nur der Musik. Da plötzlich kam mir etwas in den Sinn, was ich einmal bei Gorki gelesen hatte, dass nämlich Lenin über die „Appassionata“ gesagt habe, dass er sie nicht oft hören könne, weil er sonst „liebevolle Dummheiten sagen und den Menschen die Köpfe streicheln“ wolle, auf die er doch „einschlagen, mitleidslos einschlagen“ müsse, um seine Revolution zu Ende zu bringen. Mit der „Appassionata“ war es mir nie so gegangen, aber bei der „Mondschein-Sonate“ konnte ich Lenins Aussage auf einmal verstehen: Manche Musik zwingt einfach dazu, das Menschliche über die Ideologie zu stellen, das Gefühl über die Prinzipien, die Liebe über die Strenge. Ich fragte mich, was wohl geschehen wäre, wenn man einen Lenin hätte zwingen können, die „Appassionata“ zu hören. Wenn er hätte glauben können, die „Appassionata“ für die revolutionäre Sache hören zu müssen. Während ich darüber nachdachte, drängte sich mir ein Bild auf: die Halbnahe eines Mannes in einem trostlosen Raum; er hat Kopfhörer auf den Ohren, durch die eine wunderbare Musik klingt. Und als dieses Bild da war, stürzten die Gedanken auf mich ein: Der Mann hört diese Musik nicht zum eigenen Vergnügen, sondern weil er jemanden belauschen muss, einen Feind seiner Ideen, aber einen Freund dieser Musik. Wer ist dieser Mann, der da sitzt? Wen belauscht er? Die Fragen kamen im Rausch, ebenso die Antworten, und innerhalb weniger Minuten stand das gesamte Grundgerüst zu „Das Leben der Anderen“.

Von da an schreckten mich die Exposés nicht mehr. Aber dieser Stoff war der erste, dieses Bild war das erste. Und so beschloss ich, ihn als meinen ersten Kinofilm umzusetzen. Keine acht Jahre später war er fertig.

Florian Henckel von Donnersmarck

Textauszug aus: Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der anderen. Filmbuch. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006. suhrkamp taschenbuch 3786. 224 Seiten

INHALT

November 1984. Justizvollzugsanstalt Hohenschönhausen. Ein Häftling wird der Beihilfe zur Republikflucht verdächtigt. Effizient und ohne Gnade setzt Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (ULRICH MÜHE) bei seinem Verhör alle möglichen Druckmittel ein, auch Schlafentzug. Er dokumentiert sein Vorgehen auf Tonband, um es im Unterricht an der Stasi-Hochschule als Beispiel einzusetzen.

Oberstleutnant Anton Grubitz (ULRICH TUKUR), ein früherer Studienfreund, ist inzwischen bei der Staatssicherheit Leiter der Abteilung Kultur und nimmt ihn abends mit zur Premiere des neuen Theaterstücks von Georg Dreyman (SEBASTIAN KOCH). Minister Bruno Hempf (THOMAS THIEME) wohnt ebenfalls der Aufführung bei. Er hat bei der anschließenden Premierenfeier nur Augen für die attraktive Hauptdarstellerin Christa-Maria Sieland (MARTINA GEDECK), Dreymans Lebensgefährtin.

Minister Hempf äußert Grubitz gegenüber Zweifel an der Linientreue des erfolgreichen Dramatikers und lässt durchblicken, dass er eine Überwachung für angemessen hält.

Grubitz beauftragt seinen Freund Wiesler mit dem „operativen Vorgang“. Der verspricht, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern, weil er selbst überzeugt ist, dass Dreyman so linientreu nicht sein kann, wie es bisher den Anschein hatte. Oberstleutnant Grubitz ist in erster Linie an seiner Karriere interessiert und will dem Minister zu Diensten sein.

Dreyman bittet Hempf bei der Feier, das Berufsverbot für seinen Freund, den Theaterregisseur Albert Jerska (VOLKMAR KLEINERT), aufzuheben, der seine Stücke früher so hervorragend inszeniert hat. Hempf bestreitet, dass es so etwas wie Berufsverbot überhaupt gibt.

In Dreymans Abwesenheit wird seine Wohnung systematisch verwanzt. Eine Nachbarin, die den Vorgang beobachtet, wird mit einer massiven Drohung eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht. Auf dem Dachboden des Mietshauses richtet Wiesler sich seine Überwachungszentrale ein.

Er kommt gerade recht, um den 40. Geburtstag des Dramatikers akustisch mitzuerleben und zu Protokoll zu geben. Viele Freunde aus Künstlerkreisen sind anwesend, darunter auch der Regisseur von Dreymans neuestem Stück. Paul Hauser (HANS-UWE BAUER), ein bekannter Autor und Dissident, beschimpft diesen als Nichtskönner und Stasi-Funktionär. Als Dreyman dazwischengeht, wird er von Hauser als „jämmerlicher Idealist“ bezeichnet. Wütend platzt es aus Hauser heraus: Er wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben, solange er sich nicht entscheide, auf welcher Seite er stehe.

Auch Albert Jerska ist gekommen und hat seinem Freund eine Partitur als Geschenk mitgebracht: Die „Sonate vom guten Menschen“. Die Party endet in den frühen Morgenstunden. Dreyman und Christa-Maria packen Geschenke aus. „Danach vermutlich Geschlechtsverkehr“, notiert Wiesler auf dem Dachboden und fügt die entsprechende Uhrzeit hinzu.

Grubitz lässt sich von Wiesler über erste Erkenntnisse informieren. Sie seien angetreten, um einem ZK-Mitglied einen unliebsamen Rivalen vom Hals zu schaffen, erläutert er und kann seine Begeisterung nur mit Mühe verbergen.

Minister Hempf, der schon eine Zeit lang eine Affäre mit Christa-Maria hat, zögert nicht: Er passt sie mit dem Dienstwagen ab und fragt sie, warum sie zu ihrer letzten Verabredung nicht erschienen sei. Im Auto wird er zudringlich. Sein „Ich pass auf dich auf“ wirkt wie eine Drohung. Vom Dachboden aus beobachtet Wiesler Christa-Marias Heimkehr. Durch Klingeln an Dreymans Haustür weckt er dessen Aufmerksamkeit: Dreyman sieht seine Freundin aus dem Wagen des Ministers aussteigen. Er ist verzweifelt, konfrontiert sie aber nicht mit seinem Wissen.

Von seinem Beobachtungsposten kehrt Wiesler zunehmend entfremdet in sein eigenes Leben zurück. Er ist einsam und lässt sich eine Prostituierte in seine anonyme Plattenbauwohnung kommen. Einige Tage später entwendet er ein Buch aus Dreymans Wohnung und liest – wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben – Brecht.

Eine weitere Nachricht erschüttert und verändert Dreymans Leben: Albert Jerska hat Selbstmord begangen. Von nun an sieht er vieles in einem anderen Licht. Bei einem konspirativen Treffen mit Hauser äußert er den Wunsch, einen Artikel über die erschreckend hohe Selbstmordrate in der DDR – die vom Regime totgeschwiegen wird – für eine Westzeitung zu schreiben. Hauser stellt den Kontakt her zu Spiegel-Korrespondent Gregor Hessenstein (HERBERT KNAUP). Alles unterliegt strengster Geheimhaltung, auch Christa-Maria wird nicht einbezogen.

Als seine Freundin das nächste Mal ausgehen will, um angeblich eine alte Klassenkameradin zu treffen, bittet Dreyman sie inständig, zu bleiben. Er offenbart, dass er von der Affäre mit dem Minister und auch von ihrer geheim gehaltenen Tablettensucht weiß. Mit den Worten „Du legst dich doch genauso mit denen ins Bett, um arbeiten zu können“, verlässt die von Selbstzweifeln geplagte Künstlerin die Wohnung, noch unschlüssig, ob sie ihre Verabredung mit Hempf halten soll oder nicht. In einer Kneipe in der Nähe der Wohnung trifft sie zufällig auf Wiesler, den sie nicht kennt. Schüchtern gesteht er ihr seine Verehrung und bittet sie, die große Künstlerin, an sich zu glauben und sich selbst treu zu bleiben. Christa-Maria wundert sich über diesen Fremden, aber sie geht nicht zum Rendezvous mit dem Minister.

Um zu testen, ob Dreymans Wohnung abhörsicher ist, täuschen die Freunde per Telefon vor, dass Hauser, unter der Rückbank eines Westautos versteckt, Republikflucht begehen will. Wiesler hört mit, glaubt, was er hört, und greift zum Funk, um es gleich der Grenze zu melden. Aber dann zögert er im letzten Moment. Das Auto passiert unbehelligt.

Nachdem man sich nach diesem so offensichtlichen Beweis in Sicherheit wiegt, kommt ein Treffen mit Spiegel-Redakteur Gregor Hessenstein in Dreymans Wohnung zustande. Unter einer Torte hat er eine kleine, ganz neue Schreibmaschine für seinen Autor mitgebracht, deren Schriftbild die Stasi nicht mit Dreyman in Zusammenhang bringen kann. Dreyman versteckt die Schreibmaschine in einem Hohlraum unter einer Fußbodendiele. Christa-Maria beobachtet ihn dabei, will aber nichts über die Hintergründe wissen.

Der Spiegel-Artikel erscheint und ruft große Unruhe hervor. Grubitz ist in einer schwierigen Lage, offenbar hat er die Kulturschaffenden nicht im Griff. Der Verdacht fällt auf Dreyman. Wiesler, der alles beobachtet hat und inzwischen sogar Protokolle fälscht, behauptet, von nichts zu wissen – bei den Dichtertreffen in Dreymans Wohnung sei es um ein neues Theaterstück gegangen. Grubitz ordnet eine Hausdurchsuchung bei Dreyman an, ein rabiater Stasi-Trupp stellt alles auf den Kopf, aber die Suche nach Beweisen bleibt erfolglos.

Nachdem Christa-Maria Minister Hempf versetzt hat, ordnet er eine Dauerüberwachung der Schauspielerin an und kommt dabei ihrem illegalen Drogenerwerb auf die Schliche. Ein gutes Druckmittel, das er nicht zögert, einzusetzen: Er lässt Christa-Maria auf frischer Tat in einer Zahnarztpraxis verhaften und zum Verhör nach Hohenschönhausen bringen. Jetzt soll sie Dreyman als Autor des Spiegel-Artikels verraten, andernfalls wird sie nie wieder auf der Bühne stehen. Das Verhör muss Wiesler führen – und darf sich nichts anmerken lassen. Er ist erfolgreich. Als sie am nächsten Morgen endlich nach Hause entlassen wird, verlässt auch Wiesler sofort die Stasi-Zentrale. Grubitz, nun siegesgewiss, schickt seine Männer erneut in Dreymans Wohnung. Er bricht selbst den Fußboden auf – und findet darunter nur einen leeren Hohlraum.

Jemand war schneller und hat das Beweisstück beseitigt. Doch niemand kann verhindern, dass Christa-Maria, völlig aufgelöst und von Schuldgefühlen gequält, auf die Straße läuft und von einem Lastwagen erfasst wird. Sie stirbt in Dreymans Armen.

Grubitz bricht daraufhin den „OV“ ab. Wiesler wird in die Poststelle der Stasi strafversetzt, wo er für den Rest seines Berufslebens Briefe aufdampfen soll. Dort erfährt er viereinhalb Jahre später vom Fall der Mauer.

1991 erfährt Dreymann durch eine zufällige Begegnung mit Ex-Minister Hempf von dem damaligen „OV“ gegen seine Person, doch er versteht es, seinen Schock vor dem Widersacher zu verbergen. Zu Hause findet er die Kabel und Mikrofone hinter der Tapete und macht sich auf, sein Leben neu zu recherchieren. In den inzwischen zugänglichen Stasi-Akten liest er sich durch Aktenberge. Auf dem letzten der Protokolle, die alle mit HGW XX/7 unterzeichnet sind, prangt ein roter Fingerabdruck. Rot wie das Farbband seiner Schreibmaschine, mit der er seinerzeit den Spiegel-Artikel schrieb.

Dem Schriftsteller gelingt es, die Identität des Mannes zu erfahren, der ihn damals überwachte und offenbar beschützte. Er macht Wiesler ausfindig, sieht ihn auf der Straße, will ihn ansprechen. Doch dann hat er eine andere Idee, wie er dem Menschen danken kann, der vom Spitzel zum Rebellen wurde ...

Wir möchten Sie bitten, bei Ihren Besprechungen im Interesse eines spannenden Kinoerlebnisses die entscheidenden Wendepunkte in der Figur von Ulrich Mühe (Hauptmann Wiesler) nicht im Detail preiszugeben. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

PRODUKTIONSNOTIZEN

Regisseur und Drehbuchautor Florian Henckel von Donnersmarck hat fast vier Jahre intensiv recherchiert und geschrieben, ehe am 26. Oktober 2004 die Dreharbeiten zu DAS LEBEN DER ANDEREN in Berlin begannen. Gedreht wurde an 37 Drehtagen bis zum 17. Dezember 2004.

Neben der intensiven Lektüre einschlägiger Literatur verbrachte der Autor viel Zeit in Gesprächen mit Zeitzeugen, ehemaligen Stasi-Angehörigen und ihren Opfern. Zu den zahlreichen Beratern auf historischer Seite, die Henckel von Donnersmarck unterstützten, zählen u.a. der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat, Prof. Manfred Wilke; der Leiter der Forschungs- und Gedenkstätte in der Normannenstraße, Jörg Drieselmann; der ehemalige Oberst der Staatssicherheit Wolfgang Schmidt sowie der Chef-Bühnenbildner der Berliner Volksbühne, Bert Neumann. Auch im Filmteam gab es Betroffene, die mit ihren persönlichen Erfahrungen dazu beigetragen haben, dass der Film bis ins kleinste Detail authentisch wurde. So z.B. der Requisiteur des Filmes, der zu DDR-Zeiten selbst in Stasi-Untersuchungshaft saß.

Je mehr an Originalmotiven gedreht werden konnte, desto besser

Originalschauplätze sind bei einem historisch gefärbten Stoff von entscheidender Bedeutung. Gedreht wurde u.a. im ehemaligen Stasi-Hauptquartier in der Normannenstraße – eine düstere Adresse zu DDR-Zeiten. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte. Dort entstanden die Aufnahmen mit Ulrich Tukur als Oberstleutnant Anton Grubitz. Sein Büro liegt direkt neben dem ehemaligen Amtszimmer von Minister Mielke. Die Patina war noch erhalten. Diese Büros mit ihren Holzvertäfelungen haben ihren sehr eigenen „Charme“ und sind klar einer Zeit und einem bestimmten Stil zuzuordnen – spannend und beklemmend zugleich.

Um eine möglichst große Authentizität zu gewährleisten, sollte so viel wie möglich an Originalschauplätzen gedreht werden. Doch obwohl der Film eine Zeit erzählt, die gerade einmal 15 Jahre zurückliegt, hat sich seitdem sehr viel verändert. „Es ist letzten Endes vom Aufwand her kein großer Unterschied, ob man Berlin, 1930, oder Berlin, 1984, dreht“, so Produzent Max Wiedemann. Um die Kulisse der DDR wieder auferstehen zu lassen, wurde ein großer Ausstattungsaufwand betrieben, so z.B. an dem großen Außenset vor dem Haus von Georg Dreyman (Sebastian Koch) in der Wedekindstraße. Moderne Zeichen wie Werbebanner, Bushaltestellen, Litfaßsäulen und Schilder wurden entfernt, aktuelle Autos durch zeitgerechte Fabrikate ersetzt. Besonders die Übermalung von inzwischen überall anzutreffenden Graffiti stellte sich als sehr mühselig heraus. Kaum waren sie beseitigt, entstanden teilweise bereits über Nacht neue Kunstwerke an den Wänden.

Darüber hinaus wurde in der Hufelandstraße am Prenzlauer Berg gedreht, insbesondere die Innenaufnahmen von Dreymans Wohnung und Wieslers (Ulrich Mühe) Dachboden. In der Linienstraße wird Christa-Maria (Martina Gedeck) von Minister Hempf in seine Limousine genötigt. Im Hintergrund sieht man kurz Haus Nr. 20: Dort, in einer kleinen Wohnung ohne warmes Wasser, lebte Florian Henckel von Donnersmarck zeitweise, dort sind weite Teile des Drehbuchs entstanden.

Außerdem gelang es der Produktion als erstem und einzigem Spielfilmteam, mit Genehmigung von Marianne Birthler, der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“, im Original-Karteikartenarchiv der ehemaligen Stasi-Hauptzentrale in der Normannenstraße zu drehen. In dem riesigen maschinellen Aufbewahrungssystem entstanden Bilder mit einmaligem Zeitzeugencharakter. Nach Beendigung der Dreharbeiten wurde dieses Archiv umstrukturiert und digitalisiert. Die Daten blieben erhalten, aber die Aktenlagerstätte ist in der im Film gezeigten Form nicht mehr existent.

Aufwändige Dreharbeiten

Die aufwändigen Dreharbeiten erforderten viel Vorbereitungszeit. Produzent Max Wiedemann: „Für dieses sehr subtile Thema muss man den absolut richtigen Ton treffen und in allen Details authentisch arbeiten.“

Quirin Berg, Max Wiedemann und Florian Henckel von Donnersmarck kannten sich bereits seit dem Studium an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen und hatten bereits gemeinsam den Kurzfilm „Der Templer“ realisiert. Produzent Quirin Berg: „Mein Partner Max Wiedemann, Florian und ich sind zwar keine gebürtigen Ostdeutschen und haben diese Zeit nicht in der DDR, sondern in der BRD erlebt. Aber jeder hat einen besonderen Bezug dazu – Verwandtschaft in Ost-Berlin, lange Fahrten auf der Transitautobahn, Grenzkontrollen. Das sind prägende Erlebnisse.“

Die Finanzierung für den Erstlingsfilm war nicht einfach zu bewerkstelligen, konnte doch erst der fertige Film viele Fragen beantworten. „Die Realisierung war letztlich nur möglich, weil die Finanzierungspartner, die Darsteller, das Team und alle Beteiligten von unserem Vorhaben überzeugt waren und uns viel Vertrauen entgegengebracht haben“, so Berg. Der Bayerische Rundfunk und ARTE sind als Sender und Buena Vista International ist als Verleiher beteiligt, außerdem hat das Projekt Filmförderung durch den FilmFernsehFonds Bayern, die FFA und das Medienboard Berlin-Brandenburg erhalten.

Ausgesprochen sorgfältig gingen die Filmemacher auch beim Casting vor, das Simone Bär übernahm. Der Erfolg: Eine Riege der besten Darsteller konnte gewonnen werden.

Agentin Erna Baumbauer, die die drei männlichen Hauptdarsteller vertritt, glaubte bereits früh an das Projekt. Die Grande Dame der Branche sprach sich klar für den Film aus und half bei der Besetzung der Rollen mit den Wunschkandidaten des Regisseurs. Ihre Klienten Ulrich Mühe, Sebastian Koch und Ulrich Tukur waren vom Drehbuch ebenso begeistert wie Martina Gedeck.

Die technischen Credits zeugen ebenfalls vom hohen Qualitätsanspruch der Produktion: Kameramann Hagen Bogdanski („Die Unberührbare“) schätzten Produzenten und Regisseur bereits von der gemeinsamen Arbeit an „Der Templer“. Gabriele Binder („Irren ist männlich“) konnte für das Kostümbild und Patricia Rommel („Nirgendwo in Afrika“, „Jenseits der Stille“) für den Schnitt verpflichtet werden.

Musik vom Oscar-Preisträger

Einen Oscar-Preisträger und Golden-Globe-Gewinner als Komponisten zu gewinnen, erforderte allerdings intensive Überzeugungsarbeit und eine Portion Glück. Für einen deutschen Film ist es ungewöhnlich, bei der Musik besondere Wege zu gehen und sich international zu orientieren. Wiedemann: „Wir waren davon überzeugt, dass der Film das rechtfertigt und eine solche Musik tragen wird.“

Für Gabriel Yared („Der talentierte Mr. Ripley“), muttersprachlich Franzose, wurde das Drehbuch in einer sehr frühen Phase übersetzt und das Projekt in vielen Gesprächen in Paris und London dargestellt. Die Größenordnung des Projektes ist sehr untypisch für den Musiker von Weltrang, hat er doch sonst oft mit Filmbudgets in dreistelliger Millionenhöhe zu tun. Aber Yared schätzte das Engagement der Filmemacher und entschied sich aufgrund des Drehbuchs, das ihn überzeugt hatte.

Die Orchesteraufnahmen wurden in Prag mit dem Prager Symphonieorchester eingespielt – einem der besten Filmmusik-Orchester der Welt.

Mit einem Komponisten, der in London und Paris lebt und arbeitet, Regisseur und Team in Berlin und dem Kopierwerk in München galt es für die Produktion, viele logistische Herausforderungen zu meistern.

Die Postproduktion – der Film hat eine Länge von 137 Minuten – dauerte ca. ein Jahr. Gedreht wurde auf 35 mm Cinemascope, mit einer ARRI-Kamera und Kodak-Filmmaterial.

Die Möglichkeit, nicht auf Film, sondern kostengünstiger digital zu drehen, wurde nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Berg: „Es gibt wenige Drehbücher, die dem Kinoanspruch gerecht werden. Diese Qualität muss man dann auch ausreizen. Dieser Stoff braucht eine Kinoästhetik. Alles andere wäre Verschwendung.“

DDR (1949–1989) – einige Hintergrundinformationen

Der Herrschaft der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) lag ein vom Marxismus-Leninismus geprägtes, vom Klassenkampf bestimmtes Weltbild zugrunde. Die Einheitspartei hatte Erwartungen an „ihre Menschen“, die sie in Form von Programmen, Plänen, Direktiven und klaren Grenzziehungen festlegte und z.B. im politischen Strafrecht manifestierte.

Die begriffliche Auslöschung selbst bestimmter, menschlicher Individualität ermöglichte es dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS), „die anderen“, die es verhörte, bespitzelte und bekämpfte, zu kategorisieren und sie somit in Objekte seines Hasses zu verwandeln.

Allein die Verhaftung bewies schon, dass man es mit einem Feind oder mit einem feindlich-negativen „Element“ zu tun hatte. Es war Parteiauftrag des MfS, sich aktiv und bedrohlich in das Leben der anderen einzumischen, um es grundlegend zu ändern, wenn es nicht den Erwartungen der Partei entsprach.

In Berlin Hohenschönhausen befand sich die zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS. In der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam-Eiche wurde der Verhörernachwuchs ausgebildet.

Unter „Operativem Vorgang“ (OV) verstand das MfS die höchste Stufe der konspirativen Überwachung von verdächtigen Personen. In der Verwaltungssprache der Staatssicherheit von 1976 wurde der präventive Charakter des OV hervorgehoben.

Eine „Straftat gegen die staatliche Ordnung“, die mit zwei Jahren Freiheitsentzug bestraft wurde, war beispielsweise der „ungesetzliche Grenzübertritt“ (§ 213 Strafgesetzbuch). Schon die Vorbereitung und der Versuch einer „Republikflucht“ waren strafbar. Nach der Befestigung der innerdeutschen Grenze und der Mauer in Berlin gab es Fluchthelfer aus dem Westen. Ihr Tun stellte die DDR unter Strafe, wer durch aktive Fluchthilfe dazu beitrug, eine Person „ins Ausland“ zu verbringen, wurde mit einer Freiheitsstrafe bis zu acht Jahren bedroht.

In dem Überwachungsstaat DDR waren 1989 von den 91.000 MfS-Mitarbeitern ca. 13.000 damit beschäftigt, ein Heer von ca. 170.000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM’s) zu dirigieren, um den SED-Wahn von der flächendeckenden Überwachung einer ganzen Gesellschaft zu realisieren.

Das Kürzel Stasi bezeichnet den geheimen Repressionsapparat der SED-Diktatur.

Manfred Wilke

Textauszug aus: Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der anderen. Filmbuch. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2006. suhrkamp taschenbuch 3786. 224 Seiten.

Professor Manfred Wilke ist Leiter der Abteilung Lankwitz des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Wilke war wissenschaftlicher Berater für DAS LEBEN DER ANDEREN.

Ein Gespräch mit Florian Henckel von Donnersmarck

Wie kamen Sie zu dieser Thematik, was hat Sie daran gereizt, gibt es eine persönliche Motivation?

Es gab zwei Dinge, die mich über die Jahre zu dem Film hingeführt haben. Einmal die vielen prägenden Kindheitserlebnisse bei den Besuchen in Ost-Berlin und der DDR: Es war interessant und erregend für mich als acht-, neun-, zehnjährigen Jungen, zu spüren, dass Erwachsene Angst hatten. Und sie hatten Angst: Meine Eltern bei der Grenzüberquerung – sie sind beide gebürtig aus dem Osten und wurden deshalb vielleicht auch gründlicher durchleuchtet – und unsere Freunde aus der DDR, wenn andere sahen, dass sie mit uns Westlern sprachen. Kinder haben für Emotionen unglaubliche Antennen. Ich glaube, ich hätte ohne diese Erlebnisse nur schwer diesen Zugang zu der Thematik gefunden.

Und dann ein Bild, das mich nicht losließ, nachdem es mir 1997 bei einer Kreativitätsübung an der HFF eingefallen war – die Halbnahe eines Mannes in einem trostlosen Raum; er hat einen Kopfhörer auf den Ohren und hört überirdisch schöne Musik, obwohl er sie nicht hören will. Dieser Mann verfolgte mich in meinen Träumen und reifte über die Jahre zu Hauptmann Gerd Wiesler heran. Gabriel Yared sagt immer, man sei als Kreativer nur Empfänger. Wenn das stimmt, war hier irgendein sehr starker Sender am Dauerfunken.

Sie haben intensiv für den Film recherchiert – wie und wo?

Ich habe viele Orte aufgesucht, an denen man dem Geist der Zeit nachspüren konnte, wie zum Beispiel die Gedenkstätte Hohenschönhausen oder das ehemalige Ministerium, heute die Forschungs- und Gedenkstätte in der Normannenstraße, ebenso die Birthler-Behörde samt den Archiven. Orte können Emotionen sehr gut abspeichern, und diese Besuche haben mir oft mehr gebracht als die vielen Bücher, die ich natürlich auch über Jahre gewälzt habe, und die Dokumentationen, die ich geschaut habe. Entscheidend aber waren die Gespräche mit Zeitzeugen, von Stasi-Oberstleutnant Wolfgang Schmidt, dem Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe der „HA XX“, über Stasi-Prostituierte bis hin zu Menschen, die zum Teil zwei Jahre in Stasi-Untersuchungshaft saßen; von Schriftstellern wie Christoph Hein über den Bühnenbildner Bert Neumann von der Volksbühne, von Gisela Spiering, der Chefdisponentin vom Deutschen Theater, der Dramaturgin Gisela Pucher vom Berliner Ensemble bis hin zu einem Schuldirektor aus der DDR, Dr. Henning Rischer. Ich habe versucht, möglichst viele Perspektiven einzuholen, habe sehr viel Widersprüchliches gehört, aber am Ende ein sehr bestimmtes Gefühl für diese Zeit und ihre Probleme gewonnen. Sehr geholfen hat mir dabei tags und nachts unser historischer Berater, Professor Dr. Manfred Wilke, der Leiter des „Forschungsverbundes SED-Staat“ an der FU Berlin.

Der letzte und wichtigste Schliff kam dann aber über die Arbeit mit den Schauspielern und den Teammitgliedern. Die meisten von ihnen kamen ja aus dem Osten und hatten viele, oft sehr persönliche Erlebnisse und Einsichten einzubringen. Für viele waren meine Recherche und dann der Dreh der Anlass, zum ersten Mal über diese Dinge zu reden. Das ist schon erstaunlich! 14 Jahre nach der Wende! Manche Wunden heilen halt sehr langsam.

Gab es konkrete Vorbilder für Figuren oder Ereignisse?

Die Figuren setzen sich aus vielen verschiedenen echten Vorbildern zusammen, und sicher werden sich viele mit dem einen oder anderen identifizieren können. Aber der Film ist kein „Schlüsselroman“ oder „Schlüsselfilm“. Figuren und Ereignisse sind bewusst fiktiv in der Schwebe gehalten – beispielsweise ist Hempf ein Minister ohne Ressort. Wichtig war mir immer, mich nicht in historischen Details zu verlieren – zwar eine Geschichte von echten Menschen zu erzählen, aber trotzdem, emotional gesehen, ein Königsdrama!

Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert? Wie lange der Dreh? Die Postproduktion?

Am Drehbuch habe ich ungefähr dreieinhalb Jahre lang gearbeitet, wovon mindestens ein Jahr reine Recherche war. Dazu kamen ein Jahr Vorbereitungszeit, immerhin 38 Tage Dreharbeiten – wir hatten aber trotzdem vier bis fünf fertige Filmminuten pro Tag zu drehen, die erste Schnittfassung war nämlich 180 Minuten lang – und ein Jahr Postproduktion.

Sie sind u.a. auch in Berlin aufgewachsen – wie ist die Stadt mit Ihrem Film verbunden, wie Sie mit der Stadt?

Ich wurde in Köln geboren, wir zogen dann nach Frankfurt am Main, und die Familie ging, als ich zwei war, nach New York. Als wir sechs Jahre später von dort nach West-Berlin zurückkehrten, war das für mich wie der Sprung von der Ersten in die Zweite Welt – die DDR war dann die Dritte. Berlin war ein Schock für meinen Bruder und mich. Und ist es, für mich zumindest, auch heute noch.

War es schwierig, im heutigen Berlin die geeigneten Drehorte zu finden?

Es war ein sehr langwieriger Prozess, weil Szenenbildnerin Silke Buhr und ich sehr genaue Vorstellungen von den Locations hatten. Wir haben unzählige Fotoalben durchforstet und hatten „unser“ Bild von der DDR, wie wir sie erzählen wollten, genau im Kopf.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Wiedemann & Berg zustande, wie haben Sie sich kennen gelernt?

Wir kannten uns aus unserer gemeinsamen Zeit an der Filmhochschule. Sie waren dort die Stars der Produktionsklasse, und wir hatten gemeinsam den Kurzfilm „Der Templer“ gemacht, wo ich meinem Bruder als Co-Regisseur assistierte. Dann hatten wir uns ein bisschen aus den Augen verloren, bis ich mit DAS LEBEN DER ANDEREN zu ihnen kam. Ich war sehr froh, dass ich die beiden dafür gewinnen konnte – sie haben unzählige Stoffe auf ihren Tischen und überlegen sich genau, was sie machen. Wenn sie sich aber einmal entschieden haben, ermöglichen sie ihrem Regisseur die bestmögliche Arbeit und haben vor allem Vertrauen in ihn! Ich wundere mich immer über Produzenten, die sich für einen Regisseur entscheiden, und ihn dann an jeder Stelle gängeln. Eigentlich ist es ein Zeichen von sehr schwachem Selbstvertrauen, denn sie sind es ja, die den Regisseur ausgewählt haben. Max und Quirin fehlt es glücklicherweise nicht an Selbstbewusstsein. Sie lassen ihren Regisseuren große Freiheiten. Und wenn von ihnen künstlerische Annmerkungen kommen, haben sie immer Hand und Fuß.

Wie konnten Sie diese Riege erstklassiger Schauspieler überzeugen?

Wir hatten das Glück, dass Erna Baumbauer, die Marie Curie der Schauspielagenten, von Anfang an an den Film glaubte. In Amerika hätte diese Dame Probleme mit der Monopolbehörde, weil fast alle wirklich großen Schauspieler bei ihr sind. Diese Schauspieler – in unserem Falle Tukur, Koch, Mühe – bekommen so viele Angebote, dass sie gar nicht dazu kommen, alle Bücher zu lesen. Frau Baumbauer aber liest alles. Und das sehr genau. Als sie mich anrief und über das Drehbuch sagte: „Ich habe geweint“, da hatte ich zum ersten Mal keine Angst mehr um die Zukunft dieses Films. Mit Frau Baumbauer habe ich dann auch über andere Aspekte des Films gesprochen. Sie hat ein untrügliches Gespür für alles, was mit Film und Schauspiel zu tun hat. Wenn sie mir von jemandem abriet, distanzierte ich mich. Wenn sie mir zu jemandem riet, hörte ich sehr genau hin. Wenn mir etwas bei der Regiearbeit geholfen hat, dann sicher mein Gefühl dafür, zu wissen, wann ich auf andere, erfahrenere Menschen hören sollte. ...

Wie gewinnt man einen Oscar-Preisträger für die Filmmusik?

Das war allerdings etwas langwierig, aber, wer mich kennt, weiß: I don’t take no for an answer! Ich hatte meine Abschlussarbeit an der Filmhochschule über „Der talentierte Mr. Ripley“ verfasst und hatte immer das Gefühl, dass sich mir der Film erst durch die Musik richtig erschließt. Ich habe Gabriel Yared so lange geschrieben, bis ich zu ihm persönlich durchgedrungen bin und ihm eine inhaltliche Vorstellung vermitteln konnte. Er war gleich interessiert. Dann kam mir ein Glücksfall zur Hilfe, eines seiner Großprojekte, Wolfgang Petersens „Troy“, platzte und er hatte plötzlich etwas Zeit. Zu Yareds Arbeitsweise gehört, dass er schon in der Drehbuchphase erste Musiken für einen Film schreibt. Wir trafen uns dreimal in London, um diese Ansätze gemeinsam zu entwickeln. So hat er beispielsweise die „Sonate vom guten Menschen“, die Dreyman spielt, schon vorher komponiert. Sebastian Koch sagt, dass er erst durch das Spielen dieses Stücks zu der Figur des Dreyman gefunden hat. Ein weiterer Beweis dafür, dass Gabriels Methode Sinn macht.

Auch die übrigen Credits zeugen von einem hohen Qualitätsanspruch...

Alle waren meine erste Wahl. Um einige mussten wir lange kämpfen, so um die Szenenbildnerin Silke Buhr. Aber ich konnte und könnte mir den Film einfach nicht ohne Silkes unglaublichen Schönheitssinn vorstellen. Und ohne Patricia Rommels Schnitt. In Patricias Fall war es so, dass ich gesagt hatte: Entweder sie schneidet den Film, oder ich schneide alleine. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Patricia ist eine Künstlerin durch und durch, die sich von ihrem unglaublichen Instinkt leiten lässt. Von ihr habe ich über die sieben gemeinsamen Monate aber auch gelernt, wie man am Schneidetisch eine Szene immer wieder so anschaut, als sähe man sie zum ersten Mal. Auch die Kostüme von Gabriele Binder waren einfach perfekt. Sie kann erspüren, welches Kostüm in welcher Situation zu wem passt. Es war wie ein Zauber: Die Schauspieler schlüpften in ihre Kostüme und fingen an, in ihren Rollen zu sprechen und zu leben. Solche magischen Momente hat Gabriele abonniert! Es gelingt ihr immer alles. Gabriele Binder und Silke Buhr haben sehr eng zusammengearbeitet und die Kostüme in das jeweilige Set eingepasst.

DAS LEBEN DER ANDEREN ist Ihr erster abendfüllender Spielfilm. Wo lagen die Herausforderungen?

Es stimmt, es ist mein erster abendfüllender Spielfilm. Ich bin aber schon seit zehn Jahren im Filmgeschäft. Da unser System extrem hierarchisch ist, dauert es halt sehr lange, bis man die Chance bekommt, einen Langfilm zu realisieren, der den eigenen Vorstellungen entspricht. Eine Auftragsarbeit hätte ich schon früher machen können, aber das wollte ich nicht. In diesen zehn Jahren habe ich viele Opfer gebracht und hatte deshalb die klare Idee, dass ich mir beim Drehen alles erlauben darf und werde. Ich nahm mir vor, sofort zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt, und wenn ich nicht gleich verbalisieren kann, was mich stört, mich so lange zu sammeln, bis mir das gelingt – und es dann so umsetzen, wie ich es mir vorstelle. Denn ich wusste, ich hatte nur diese eine Chance. Große Schauspieler wie Tukur sind Menschen, die sogar den falschen Gedanken spüren – also müssen die Gedanken richtig sein.

Regie führen heißt für mich, in künstlerischer Hinsicht nie vernünftig zu sein, sondern sich alles an Gefühlen und Gedanken zuzugestehen. Das ist in gewisser Weise schizophren, denn natürlich muss man in organisatorischen Belangen sehr vernünftig sein. Mein Motto war: bei mir selbst bleiben, keine Kompromisse eingehen. Ich wusste, dass ich mich daran halten würde, und deshalb war ich nicht aufgeregt.

Welches ästhetische Konzept haben Sie verfolgt in Bezug auf Ausstattung und Farbgebung?

Wir hatten ein sehr klares Bild vom Einsatz der Farben. Wir haben versucht, die in der DDR vorherrschenden Tendenzen zu verstärken, und zwar durch Reduktion. Es gab mehr Grün als Blau in der DDR, deshalb haben wir Blau ganz weggelassen. Ebenso mehr Orange als Rot: also wurde Rot eliminiert. Bestimmte Schattierungen von Braun, Beige, Orange, Grün und Grau haben wir konsequent verwendet und damit ein authentisches ästhetisches Bild der DDR dieser Jahre erzielt. Leere ist ein ästhetisch neutraler Zustand. Durch die Budgetknappheit konnten wir nicht viel bauen. Also haben wir dort, wo wir keine authentische Schönheit erzeugen konnten, auf Reduktion gesetzt, um die visuelle Qualität auf hohem Niveau zu halten. Wir wollten keine Überfrachtung mit „DDR-Requisiten“. Für mich muss das Bild den perfekten Hintergrund für die Emotionen der Schauspieler liefern, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich will nicht, dass der Zuschauer beginnt, über einzelne Requisiten oder über Flecken an der Wand oder über sonstige konzeptionelle Fragen nachzudenken, und somit den emotionalen Anschluss an die Figuren verpasst. Glücklicherweise war mein Team da ganz auf meiner Wellenlänge. Wie überhaupt in fast allen Fragen. Silke hatte mir am Anfang der Vorbereitung prophezeit, dass wir spätestens beim Dreh alle zusammen als eine Einheit denken und fühlen würden. Als sie es sagte, kam mir der Gedanke seltsam vor. Aber es geschah tatsächlich genau so.

Die Besetzung

Martina Gedeck (Christa-Maria Sieland)

Martina ist eine geheimnisvolle Frau, beruflich wie privat. In den meisten Momenten macht sie das, was keiner von ihr erwartet, und liegt damit fast immer richtig: Eine tragische Szene konterkariert sie mit extremer Erotik, einen erotischen Moment macht sie noch erotischer, indem sie nur Widerstand spielt. Als ich versuchte, in Gesprächen mit ihr noch mehr von ihrer mysteriösen Kunst zu verstehen, erklärte sie mir, dass sie in dem Moment, wo der Regisseur „Action“ ruft, in die Welt des Films eintaucht, wie Mary Poppins in die Straßenkreidezeichnung. Ja, bei so einer großen Schauspielerin werden selbst die Worte „Bitte“ und „Danke“ zu Zauberformeln. (Florian Henckel von Donnersmarck)

Fragen an Martina Gedeck

Erzählen Sie etwas über Ihre Rolle. Was für eine Frau ist Christa-Maria Sieland?

Sie ist Schauspielerin und steckt fest in der Mühle drin, das ist ja auch das Thema des Films. Sie macht Zugeständnisse, lässt sich auf eine Affäre mit dem Minister ein, um überhaupt spielen zu können. Das verdeutlicht ganz klar, in was für Zwängen man sich als Künstler befunden hat. Bei Christa-Maria geht das über die sexuelle Variante. Sie versucht, sich zu befreien, aber sie ist eine labile Frau, die von ihrer Persönlichkeitsstruktur her dem Druck nicht gewachsen ist.

Erzählt wird ja aus der Sicht von Wiesler. Es geht um das, was Wiesler sich erträumt, was er in dieses Paar hineinprojiziert. Etwas, was in ihm beinahe abgestorben ist, hat sich in ihrer Person externalisiert und findet in der Beziehung zu ihrem Partner eine Form, die er schützen möchte. Tatsächlich ist ihre Beziehung zu Dreyman aber gar nicht so, wie er sich das denkt, sondern es ist eine sehr oberflächliche Beziehung ohne echtes Vertrauen und tragenden Grund. Sonst würde das nicht auf diese Weise enden und auseinander brechen. Sie misstrauen einander, tabuisieren Dinge, die thematisiert werden müssten zwischen sich nahe stehenden Menschen. Das führt dazu, dass sie auf diese Liebe nichts gibt. Sonst würde sie sich nicht umbringen.

Sie sprechen von Selbstmord – ist es nicht ein Unfall?

Es ist ein herbeigeführter Unfall, eine Affekthandlung. Christa-Maria steckt immer den Kopf in den Sand. Als sie dann mit ihrem Verrat konfrontiert wird, ist ihre Scham so groß, dass sie mit einer Kurzschlusshandlung reagiert.

Hat die Rolle Sie gleich angesprochen? Was dachten Sie, als Sie das Drehbuch lasen?

Sehr gereizt hat mich, dass der Versuch unternommen wird, einen Film zu drehen, der sich ganz ernsthaft mit dieser Thematik beschäftigt. Diese absolute Einsamkeit, in der man sich befindet, wenn man sich nicht mehr mitteilen kann aus Angst davor, das Falsche zu sagen. Das ist ein Lebensgefühl, das die Menschen sehr prägt und verändert.

Sie haben oft starke, kämpferische Frauen gespielt, die „Martha“ etwa oder auch Ihre Brigitte Reimann...

Christa-Maria ist keine Heldin. Mir hat gefallen, dass jemand auf dem Vulkan tanzt. Sich fast glamourös innerhalb einer verlogenen Lebenssituation bewegt. Dem liegt eine gewisse Härte und Pragmatik zugrunde. Dieses Praktische, Kalte hat mich gereizt. Das Weinerliche, Opferhafte ist mir unangenehm. Wenn es sentimental und gefühlig wird, habe ich Bedenken.

Gab es eine besonders schwierige Szene, an die Sie sich erinnern?

Am schwierigsten war für mich die Todesszene auf der Straße, sowohl emotional als auch wegen der Minustemperaturen draußen – ich musste nackt im Bademantel auf der Straße liegen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Filmpartner Sebastian Koch?

Das war natürlich sehr schön, denn wir durften eine sehr spannungsvolle Beziehung darstellen, wo er der eher Naive ist. Wenn sich das Misstrauen langsam herauskristallisiert ... das hat viel Futter und ging leicht von der Hand.

Meine Lieblingsszene ist die, wo er sie zur Rede stellen möchte. Und sie mit großer Klarheit antwortet und sich und ihre Lügen verteidigt: „Du gehst doch genauso mit denen ins Bett.“ Sie bekennt sich nicht schuldig, sondern sagt, jetzt lass uns mal Tacheles reden. Das ist ein sehr poetischer Text und eine große Herausforderung, das gut zu spielen.

Wie haben Sie die Arbeit mit Florian Henckel von Donnersmarck empfunden?

Weil er das Drehbuch geschrieben hat, weiß er ganz genau, was ihn an der Geschichte interessiert. Er ist sehr stark vom Verstand bestimmt und man kann auf einer gleichberechtigten Ebene mit ihm über Inhalte sprechen. Das war sehr wichtig für uns alle: die dezidierte Durchdringung dieses sehr komplexen Stoffes im Vorfeld. Die Dreharbeiten verliefen äußerst freudvoll und intensiv. Er hat seine Schauspieler ungeheuer geliebt. Es ist etwas sehr Schönes, wenn man so auf Händen getragen wird. Aber er hat uns auch sehr viele, lange Arbeitsstunden abverlangt. Das ist ein liebenswerter Zug bei Anfängern: Sie können kein Ende finden und möchten am liebsten alles noch mal machen.

Hat Sie persönlich etwas mit der DDR verbunden?

Ich habe nicht in der DDR gelebt, mich aber über die Arbeit an der Brigitte Reimann (in „Hunger auf Leben“) intensiv mit dem Thema beschäftigt. Das hat mir jetzt geholfen. Es war in meiner Vorstellung also schon „ganz normal“, dass es so was wie die Stasi gibt, dass man abgehört wird und trotzdem weiterlebt. Das hat mir Sicherheit gegeben, weil ich keinen moralischen Standpunkt einnehmen musste, sondern mich auf mein Spiel konzentrieren konnte. Wie bewegt sich diese Frau, wie spricht sie, womit ist sie wirklich beschäftigt? Sie hat ihre eigene Welt mit eigenen Sehnsüchten, die ganz unabhängig von diesem Schriftsteller ist. Die Schauspielerei ist ihr Lebenselixier.

Martina Gedeck

Martina Gedeck wurde in München geboren und verbrachte ihre Kindheit in Landshut und Berlin. Nach dem Abitur studierte sie Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar an der Berliner Hochschule der Künste. Ihr Bühnendebüt gab sie am Frankfurter Theater am Turm. Später spielte Gedeck am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, an den dortigen Kammerspielen, auf Kampnagel in Hamburg und am Schauspielhaus Basel. 2005 gastierte sie am Deutschen Theater Berlin.

Martina Gedecks Filmkarriere begann noch während des Studiums mit der Hauptrolle in Dominik Grafs Fernsehfilm „Die Beute“ und seinem Kinofilm „Tiger, Löwe, Panther“. Es folgten Episoden-Rollen in mehreren TV-Serien, bevor sie für ihre Darstellung der „Hölleisengretl“ von Jo Baier erstmals den Bayerischen Fernsehpreis erhielt. Von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert und mit Preisen überhäuft war „Bella Martha“. Ihre Filmographie umfasst über 50 Produktionen in nahezu allen Filmgenres.

Gerade abgedreht hat die in Berlin lebende Schauspielerin ihre ersten internationalen Produktionen „The Good Shepherd“ unter der Regie von Robert de Niro sowie Francis Girods „L’ami parfait“.

Martina Gedeck wurde mittlerweile mit 14 Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Fernsehpreis, der Adolf-Grimme-Preis, der Bayerische Filmpreis, die Goldene Kamera und der Deutsche Filmpreis.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN R: Florian Henckel v. Donnersmarck

L’ami parfait R: Francis Girod

The Good Shepherd R: Robert de Niro

Sommer an der Schlei R: Stephan Krohmer

Elementarteilchen R: Oskar Röhler

Auf immer und ewig und ein Tag (TV) R: Markus Imboden

2004 Live Movie Feuer in der Nacht (TV) R: Kai Wessel

11011 Berlin – „Am Puls der Macht“ (TV) R: Markus Imboden

2003 Der Stich des Skorpion (TV) R: Stefan Wagner

Das blaue Wunder (TV) R: Peter Kahane

Casanova (TV) R: Richard Blank

Hunger auf Leben (TV) R: Markus Imboden

2002 Bella Martha R: Sandra Nettelbeck

Geheime Geschichten (TV) R: Christine Wiegand

Ins Leben zurück (TV) R: Markus Imboden

Unsere Mutter ist halt anders (TV) R: Franziska Buch

Die Mutter (TV) R: Matti Geschonneck

2001 Andreas Hofer 1809 (TV) R: Xaver Schwarzenberger

Verlorenes Land (TV) R: Jo Baier

2000 Oh Palmenbaum TV) R: Xaver Schwarzenberger

Romeo (TV) R: Hermine Huntgeburth

Jenseits der Liebe (TV) R: Matti Geschonneck

1999 Private Lies (TV) R: Sherry Hormann

Happy Hour (TV) R: Xaver Schwarzenberger

1998 Viehjud Levi R: Didi Danquart

Alles Bob R: Alexander Otto Jahreiss

Grüße aus der grünen Wüste R: Anno Saul

Deine besten Jahre (TV) R: Dominik Graf

Ich habe nein gesagt (TV) R: Markus Imboden

1997 Frau Rettich, die Czerni und ich R: Markus Imboden

Der Laden (TV) R: Jo Baier

Single Bells (TV) R: Xaver Schwarzenberger

Bella Block (TV) R: Markus Imboden

Die Kriminalpsychologin (TV) R: Konrad Sabrautzky

1996 Das Leben ist eine Baustelle R: Wolfgang Becker

Harald R: Jürgen Egger

Rossini R: Helmut Dietl

Frauen lügen nicht R: Michael Juncker

Rosa Roth – „Langer Samstag“ (TV) R: Carlo Rola

1995 Stadtgespräch R: Rainer Kaufmann

Wer Kollegen hat,

braucht keine Freunde (TV) R: Martin Enlen

Der schönste Tag (TV) R: Jo Baier

1994 Der bewegte Mann R: Sönke Wortmann

Die Hölleisengretl TV) R: Jo Baier

1992 Krücke R: Jörg Grünler

Barmherzige Schwestern R: Annelie Runge

1989 - 93 Hard Days - Hard Nights R: Horst Königstein

Liebling Kreuzberg (TV) R: Werner Masten

Schulz und Schulz (TV) R: Ilse Hofmann

1988 Tiger, Löwe, Panther R: Dominik Graf

1986 Die Beute (TV) R: Dominik Graf

Ulrich Mühe (Gerd Wiesler)

Zu Ulrich Mühe sage ich auch nach einem Jahr intimer und sehr harmonischer Zusammenarbeit immer noch „Herr Mühe“. Denn Ulrich Mühe geht auf Distanz, um sich und seine Kunst zu schützen. Und wer ihm einmal gegenübergestanden hat, kann spüren, warum das auch so sein muss: Herrn Mühes Augen blicken einem direkt ins Herz ... aber durch sie kann man auch ihm direkt ins Herz hineinsehen. Diese Mischung aus Geistesgaben und Verletzlichkeit macht ihn zu einem so bedeutenden Schauspieler. In „Sylvia“ sagt Ted Hughes von der Lyrik: „It’s not like magic – it is magic.“ So ähnlich geht es mir mit Mühes Schauspielkunst. . (Florian Henckel von Donnersmarck)

Fragen an Ulrich Mühe

Was hat Sie bewogen, die Rolle anzunehmen?

Das Drehbuch war einerseits von großer Dichte, extremen Spielsituationen für starke Charaktere und erstaunlicher historischer Genauigkeit, andererseits konnte ich das Potenzial spüren, eine Universalität menschlichen Verhaltens, die mich als Schauspieler einlud, weit zu denken. Und nachdem ich den Autor, der auch der Regisseur sein sollte, kennen gelernt hatte, war ich der Überzeugung, dass ich hier etwas Wichtiges formulieren kann.

Was für ein Mensch ist dieser Gerd Wiesler?

Wiesler ist ein gläubiger Mensch. Er glaubt an den Sozialismus als Vorstufe zum Kommunismus und dass der Mensch auf diesem Weg geleitet werden muss, damit er nicht strauchelt oder vergisst, dass spätestens seine Kindeskinder das Ideal auf Erden leben können, für das er im aufopferungsvollen Kampf gegen Krieg und Imperialismus jetzt noch Einschränkungen hinnehmen muss. Und das ist das Problem.

Ihre Rolle ist die eines Beobachters. Was mit Ihnen passiert, Ihre Veränderung, geschieht in Ihrem Inneren. Wie spielt man so etwas, wie haben Sie die Rolle angelegt?

Gegen zu viel Spiel hilft das Sein. Aber nicht, um „es“ zu sein, sondern um es zu „zeigen“! Ist zu kompliziert? Okay, anders: Ein Schauspieler muss, um das zu können, was er tut, so tun, als könne er das.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe mich erinnert.

Sie haben selbst in der DDR gelebt. Ist es Ihrer Meinung nach dem Film gelungen, ein authentisches Bild der Lebensumstände der Menschen aufzuzeigen?

Meiner Meinung nach absolut. Obwohl die erzählte Geschichte fiktiv ist, hat der Film, auch wenn er für ein Drama notwendige Verdichtungen enthält, das Klima der Repression sehr genau (damit meine ich vor allem nicht übertrieben) auferstehen lassen können. So fühlt sich Diktatur an.

Ulrich Mühe

Mühe wurde 1953 im sächsischen Grimma geboren. Nach dem Studium an der Theaterhochschule Leipzig spielte er erste große Rollen in Chemnitz, bis ihn Heiner Müller 1983 an die Berliner Volksbühne holte. Als Mitglied des Deutschen Theaters war er in den folgenden Jahren der Star des Ensembles. In der Inszenierung von „Die Jüdin von Toledo“ begeisterte er Publikum und Kritik bei den Salzburger Festspielen 1990. Er spielte mehrfach am Burgtheater Wien, in Hamburg und war zuletzt an der Schaubühne in Berlin zu sehen. 2004 inszenierte er Heiner Müllers „Der Auftrag“ für Berlin und die Wiener Festwochen.

Seit Beginn der 80er Jahre spielt Mühe auch Fernsehrollen und stand bis heute in über 50 Kino- und TV-Produktionen vor der Kamera. 1984 kam mit „Die Frau und der Fremde“ sein erster Kinofilm in der DDR heraus, kurz darauf die erfolgreiche Hölderlin-Verfilmung „Hälfte des Lebens“. Der internationale Durchbruch gelang 1989 mit Bernhard Wickis letztem Film „Das Spinnennetz“. Für die Rolle des Theodor Lohse erhielt er u.a. den Bayerischen Filmpreis.

Nach der Wende konnte Mühe seine Arbeit nahtlos fortsetzen mit Hauptrollen in „Der kleine Herr Friedemann“ nach einer Erzählung von Thomas Mann und Fred Breinersdorfers Psychothriller „Das tödliche Auge“. Ebenfalls mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Susanne Lothar, spielte er in Michael Hanekes „Funny Games“. Für Haneke stand er noch in „Benny’s Video“ und „Das Schloss“ nach Franz Kafka vor der Kamera. International machte Mühe zuletzt in Constantin Costa-Gavras „Der Stellvertreter“ auf sich aufmerksam.

Als Gerichtsmediziner Dr. Robert Kolmaar prägte der in Berlin lebende Schauspieler seit 1997 die preisgekrönte ZDF-Serie „Der letzte Zeuge“. Die 7. Staffel ist gerade abgedreht, ebenso wie der TV-Film „Das Sternengeheimnis“. Im Januar 2006 begann die Arbeit an „Mein Führer“ von Dani Levy.

Zu Ulrich Mühes zahlreichen Auszeichnungen zählen Telestar, Bambi, Helene-Weigel-Medaille, Bayerischer Filmpreis, Deutscher Fernsehpreis, Kainz-Medaille, Gertrud-Eysoldt-Ring und BZ-Kulturpreis.

Für DAS LEBEN DER ANDEREN wurde er am 13. Januar 2006 mit dem Bayerischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller geehrt.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN R: Florian Henckel v.

Donnersmarck

Der letzte Zeuge – 6. Staffel (TV) R: Bernhard Stephan

2004 Hunger auf Leben (TV) R: Markus Imboden

Schneeland R: Hans W.

Geißendörfer

2003 Richard Sorge – The Spy of the Century

(Richard Sorge – Spion aus Leidenschaft) R: Masahiro Shinoda

2002 Amen (Der Stellvertreter) R: Constantin Costa-

Gavras

2001 Goebbels und Geduldig (TV) R: Kai Wessel

1999 Straight Shooter R: Thomas Bohn

1998 Sieben Monde R: Peter Fratzscher

1997 Feuerreiter R: Nina Grosse

Funny Games R: Michael Haneke

1996 Das Schloss R: Michael Haneke

Peanuts – Die Bank zahlt alles R: Carlo Rola

1995 Nikolaikirche R: Frank Beyer

1994 Rennschwein Rudi Rüssel R: Peter Timm

1992 Das tödliche Auge (TV) R: Fred

Breinersdorfer

1991 Benny’s Video R: Michael Haneke

Schtonk! R: Helmut Dietl

1990 Der kleine Herr Friedemann R: Peter Vogel

1989 Sehnsucht R: Jürgen Brauer

1987 Sansibar oder der letzte Grund R: Bernhard Wicki

Die erste Reihe –

Bilder vom Berliner Widerstand R: Peter Vogel

1986 Das Spinnennetz R: Bernhard Wicki

1985 Hälfte des Lebens R: Herrmann

Zschoche

Sebastian Koch (Georg Dreyman)

In der ganzen Arbeit mit Sebastian Koch bin ich bei ihm nie an Grenzen gestoßen: Wenn ich es formulieren kann – Sebastian kann es spielen. Viel von meiner Regiephilosophie habe ich vor dem Fernseher entwickelt, indem ich über die Jahre – wie Lessing bei Konrad Ekhof – von Sebastians Spiel abstrahiert und daraus für mich Regeln formuliert habe. Die Frauen werden weich in den Knien, wenn sie ihn sehen, und die Männer auch –zumindest ich. Sebastian hat mich immer zum Träumen gebracht: Er ist ein Star wie Curd Jürgens, wie Gregory Peck, wie Denzel Washington. Und er wäre ein Grund für mich, Deutschland nie zu verlassen. (Florian Henckel von Donnersmarck)

Fragen an Sebastian Koch

Was für eine Figur ist Ihr Georg Dreyman? Er ist ein Intellektueller, ein Künstler. Ist er auch naiv und steht außerhalb der politischen Realitäten?

Er ist ein Literatur-Star der DDR, lässt sich als Aushängeschild des real existierenden Sozialismus verwenden – und weiß trotzdem irgendwo tief unten, dass etwas mit dem System nicht stimmt. Es geht ihm gut, er hat sich arrangiert und fühlt sich trotzdem nicht ganz wohl. Obwohl er es sicher anders beschreiben würde: Das ist klassisches Mitläufertum.

Seine Wandlung vollzieht sich langsam. Sie beginnt mit der Konfrontation mit den Verwicklungen seiner Frau und erreicht ihren Höhepunkt im Selbstmord seines Freundes Jerska. Diese große persönliche Erschütterung ist der Auslöser, den er braucht, um eine Entscheidung zu treffen. Aber gearbeitet hat es in ihm schon vorher.

Was war für Sie der Anreiz, hat die Rolle Sie gleich angesprochen, als Sie das Drehbuch lasen?

Das Buch ist äußerst intelligent geschrieben und sowohl dramaturgisch als auch emotional so beeindruckend, wie es das selten gibt im deutschen Film. Wenn einem so etwas angeboten wird, muss man das einfach spielen. Ich habe bisher wenig Kinorollen gespielt, einfach weil es so wenig gute gibt. Andererseits kann das Kino mit seiner spezifischen Ästhetik einen so umfassenden, differenzierten Stoff besser erzählen als das Fernsehen. Die Rolle ist spannend und hat viele Nuancen, auch wenn man zunächst denkt, dieser Dreyman sei eine reine Projektionsfläche. Einer, der alles kann, ein rundum toller – und damit vielleicht auch ein bisschen langweiliger – Mensch. Wir haben sehr lange daran gearbeitet, die vielen Facetten dieser Persönlichkeit herauszufinden, gerade auch die Brüche, die sie so interessant machen. Einerseits hat Dreyman sich ja ein sehr ungewöhnliches Leben aufgebaut. Er ist erfolgreich, mit einer schönen, berühmten Frau, einer prachtvollen Wohnung mit Büchern und Musik. Andrerseits prägt ihn aber auch eine große Traurigkeit, die fast nie angesprochen wird in dem Film, die aber zu jedem Moment da ist. Tatsächlich ist Dreyman eine sehr einsame Figur. Und diese verschiedenen Gesichter machen die Spannung aus. Es ist schön, wenn man eine Sache spielen und sich gleichzeitig den Subtext kontinuierlich erarbeiten kann. Ich hatte einen Regisseur, der das mitgemacht hat, der immer offen war für neue Entdeckungen innerhalb der Figur. Der sagte: „Du bist Dreyman, höre in dich hinein.“ Ich glaube, diese feinstoffliche Verständigung zwischen uns kann man von der Leinwand herab spüren.

Wie haben Sie sich der Rolle genähert?

Es gibt bei mir in dem Kampf um eine Figur meist einen klar identifizierbaren Schlüsselmoment, ab dem ich glaube, die Figur wirklich verstanden zu haben. In diesem Fall war es Folgendes: Florian spielte mir die Sonatine vor, die Gabriel Yared für den Film komponiert hatte und die Dreyman im Film am Klavier spielt. Und plötzlich verspürte ich den dringenden Wunsch, dieses Stück selbst zu spielen, obwohl ich nicht Klavier spielen konnte! Ich habe dann wochenlang trainiert, bis ich es so spielen konnte, dass selbst Gabriel beeindruckt war. Die Versenkung in diese Musik hatte etwas Meditatives und war für mich der Zugang zu meiner Rolle. Das Eintauchen in diese Musikwelt war das Geheimnis.

Was hat Sie an der Thematik interessiert?

Ich hatte das Gefühl, das ist endlich mal ein deutscher Film, dem es gelingt, auf sinnliche Weise eine Atmosphäre herzustellen, ohne auf bewährte Mittel oder den schnellen Erfolg zu schielen. Der Authentizität vermittelt, etwas Eigenes zu sagen hat und frei von Klischees ist.

Wie war die Arbeit mit Florian Henckel von Donnersmarck?

Wir sind seit Jahren gut befreundet und haben somit vieles gemeinsam erarbeiten können. Florian ist ein sehr intelligenter und hochsensibler Mann, der das Talent hat, seine Visionen umzusetzen. Für einen Erstlingsfilm ist das ganz besonders erstaunlich. Er wusste genau, was er wollte, hat sich nicht von mir oder den anderen Schauspielern einschüchtern lassen, sondern alle ganz wunderbar dahin gebracht, wo er sie haben wollte.

Ist es heute wichtig, einen solchen Film zu sehen? Gab es für Sie persönlich eine Verbindung „nach drüben“?

Ich denke, jeder hat da seine Erfahrungen. Vor allem leben wir aber alle mit diesen Menschen zusammen, die in einem Staat existieren mussten, dessen Macht unvorstellbar war. Die heute so tun, als sei alles in Ordnung, die aber eine gewaltige Hypothek mit sich herumschleppen. Deshalb ist dieser Film auf jeden Fall wichtig.

Sebastian Koch

Geboren 1962 in Karlsruhe, absolvierte Koch seine Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach ersten Auftritten am dortigen Theater der Jugend folgten Engagements an den Städtischen Bühnen Ulm, am Staatstheater Darmstadt und an den Staatlichen Bühnen Berlin.

Bereits 1987 hatte Koch seinen ersten Fernsehauftritt an der Seite von Kommissar Helmut Fischer in dem Tatort „Die Macht des Schicksals“. Als Andreas Baader sorgte er in Heinrich Breloers hoch gelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ für Aufsehen. Den Adolf-Grimme-Preis brachte ihm seine herausragende Darstellung des Entführungsopfers in „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“. Den Preis erhielt er ein zweites Mal, ebenso wie den Bayerischen Fernsehpreis, für die Rolle des Klaus Mann in der mehrfach ausgezeichneten Familiengeschichte „Die Manns“.

Zu Kochs nationalen und internationalen Erfolgen auf der großen Leinwand zählen „Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday“,„Der Stellvertreter“ sowie „Das fliegende Klassenzimmer“. Zuletzt war er in den aufwändigen TV-Verfilmungen „Stauffenberg“ sowie „Speer und er“ zu sehen. In Vorbereitung sind Paul Verhoevens „Zwartboek“, Malika Ziouechs „Das innere Kapital“ und Peter Timms Fortsetzung des Komödienrenners „Rennschwein Rudi Rüssel 2“.

FILMOGRAPHIE (Auswahl)

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN R: Florian Henckel v.

Donnersmarck

Speer und er (TV) R: Heinrich Breloer

Sperling und die Katze in der Falle (TV) R: Friedemann

Fromm

2004 Stauffenberg (TV) R: Jo Bayer

2003 Das fliegende Klassenzimmer R: Tomy Wigand

Zwei Tage Hoffnung (TV) R: Peter Keglevic

2002 Amen (Der Stellvertreter) R: Constantin Costa-

Gavras

Napoléon (TV) R: Yves Simoneau

2001 Tanz mit dem Teufel –

Die Entführung des Richard Oetker (TV) R: Peter Keglevic

2000 Der Tunnel (TV) R: Roland Suso

Richter

Die Manns – Ein Jahrhundertroman (TV) R: Heinrich Breloer

1999 Gloomy Sunday (Gloomy Sunday –

Ein Lied von Liebe und Tod) R: Rolf Schübel

1997 Der Rosenmörder (TV) R: Matti Geschonneck

Woanders scheint nachts die Sonne (TV) R: Rolf Schübel

Todesspiel (TV) R: Heinrich Breloer

1994 Der Mann mit der Maske (TV) R: Peter Schulze-Rohr

Freundinnen (TV) R: Heiko Schier

1993 Flirt R: Hal Hartley

Ein unmöglicher Lehrer (TV) R: Rolf Silber

1991 Cosimas Lexikon R: Peter Kahane

1987 Tatort: Die Macht des Schicksals R: Reinhard

Schwabenitzky

Ulrich Tukur (Anton Grubitz)

Ein Gedanke, der bei mir jedes Mal aufkommt, wenn ich mit Ulrich Tukur zu tun habe, ist: „Wenn ich erwachsen bin, will ich sein wie er!“ Und ich habe viele gestandene Leute Ähnliches äußern hören. Ich kenne keinen herzlicheren, souveräneren, unabhängigeren Mann. Und kaum einen besseren Schauspieler. Tukur wäre zu jeder Epoche ein Star gewesen. Sein Spiel hat etwas Zeitloses und extrem Freies. Für ihn ist der Umgang mit Kunst und Kultur so selbstverständlich wie seinen Hund Gassi zu führen. Und daher ist es ganz gleich, ob er komponiert, singt, Gedichte und Romane schreibt oder eben spielt – es ist immer ein Kunsterlebnis, wie es einem kein anderer bescheren könnte. (Florian Henckel von Donnersmarck)

Fragen an Ulrich Tukur

Was für ein Mensch ist Ihr Oberstleutnant Anton Grubitz, macht er eine Entwicklung durch?

Grubitz ist der Archetyp des Karrieristen. Intelligent, gewissenlos, ehrgeizig und ohne jeden Charakter. In jedem System einsetzbar und effektiv, hat er seine Spuren verwischt und sitzt heute in der Chefetage einer westdeutschen Versicherungsgesellschaft. Er ist der lebende Beweis dafür, dass sich die Welt gleich bleibt.

Was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch lasen?

Glänzend geschrieben! Hervorragend recherchiert, dramaturgisch exzellent gebaut, Dialoge geschliffen, keine Angst vor Gefühl, eines der besten deutschen Drehbücher, die ich je gelesen habe.

Sie spielen viel Theater und sind wählerisch, was die Auswahl Ihrer Filmrollen angeht. Was hat Sie bewogen, zuzusagen?

Wenn ein Zwei-Meter-und-acht-Schrank sich über dich beugt und dir aus luftigen Höhen zuruft, er hätte ein Drehbuch, da sei eine Rolle für dich drin und die müsstest du spielen – was soll man da tun?

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe den Text gelernt, ohne Mühe mit Mühe.

Wie war es, mit einem so jungen Regisseur zu arbeiten? Hat er stark geführt und eingegriffen oder sich eher auf seine Schauspieler verlassen?

Florian hat das, was ein guter Regisseur braucht. Phantasie, Geduld, Liebe zu Damen und Herren, die seine Ideen transportieren sollen, und er weiß in jedem Augenblick, was er will. Was er nicht hatte, war Geld, aber das sieht man dem Film nicht an.

Könnte dieser Film helfen, zu verstehen, was damals passiert ist?

Das glaube ich unbedingt. Es ist, denke ich, einer der wenigen filmischen Versuche, sich dem Leben in der DDR auf ernsthafte, substanzielle Weise zu nähern. Die DDR war keine Komödie, und wenn sie auch nicht mit der ihr vorausgehenden Diktatur des Nationalsozialismus zu vergleichen ist, war sie in ihrer Essenz eben auch ein Unrechtsstaat, der die Würde vieler Bürger auf eine typisch deutsche, kleinkarierte, humorlose und oft bösartige Weise mit Füßen getreten hat. Dass in dieser Enge und Dunkelheit viel menschliche Wärme, Mut und Herz existiert hat, auch das zeigt der Film auf sehr anrührende Weise, aber er spricht einen Staat nicht frei, dem Menschlichkeit immer abgetrotzt werden musste.

Ulrich Tukur

Ulrich Tukur wurde 1957 im hessischen Viernheim geboren. Er machte sein Abitur in Hannover und einen Highschool-Abschluss in Boston. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichte in Tübingen jobbte er als Akkordeonspieler und Sänger. Er absolvierte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo er 1982 sein Theaterdebüt gab. Ein Engagement in Heidelberg folgte. Der erste große Erfolg kam 1984 als „Kittel“ in Peter Zadeks inzwischen legendärer Inszenierung von „Ghetto“. Am Hamburger Schauspielhaus stand er u.a. in „Hamlet“, „Julius Cäsar“ und „Lulu“ auf der Bühne. Von 1999 bis 2001 war Tukur der Salzburger „Jedermann“.

Sein Filmdebüt gab der in Hamburg und Italien lebende Schauspieler in Michael Verhoevens „Die weiße Rose“. Er sorgte als Andreas Baader in Reinhard Hauffs „Stammheim“ für Aufsehen, ebenso als junger Herbert Wehner in „Wehner, die unerzählte Geschichte“. Er war der Retortenmann in dem Episodenfilm „Felix“, spielte den Titelhelden in „Bonhoeffer – Die letzte Stufe“ und Costa-Gavras „Der Stellvertreter“ nach Rolf Hochhuth.

Über 60 TV- und Kinorollen gehen auf das Konto des auch international erfolgreichen Stars. Mit Harvey Keitel spielte er in „Taking Sides – Der Fall Furtwängler“, mit George Clooney in „Solaris“. Im Fernsehen war Tukur u.a. in mehreren „Tatort“-Folgen zu sehen. Seit kurzem abgedreht sind „Das Schneckenhaus“ sowie eine neue „Rosa Roth“-Episode.

Der mit zahlreichen Auszeichnungen geehrte Künstler hat auch als Musiker auf sich aufmerksam gemacht: Tukur nahm mehrere Platten auf und feierte große Erfolge als Sänger mit den Rhythmus Boys. Er gewann u.a. die Auszeichnungen Schauspieler des Jahres, Goldene Kamera, Insel-Kunstpreis Hamburg, Adolf-Grimme-Preis, Grace Prize Los Angeles und Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Schauspieler Fernsehfilm“ (für „Das Böse“).

FILMOGRAPHIE (Auswahl)

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN R: Florian Henckel v.

Donnersmarck

Le Couperet R: Constantin Costa-

Gavras

Warchild R: Christian Wagner

Die Nacht der großen Flut (TV) R: Raymond Ley

Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei (TV) R: Dror Zahavi

Dornröschen erwacht (TV) R: Elmar Fischer

2004 Stauffenberg (TV) R: Dr. Jo Baier

2003 Die fremde Frau (TV) R: Matthias Glasner

2002 Amen (Der Stellvertreter) R: Constantin Costa-

Gavras

Solaris R: Steven Soderbergh

2001 Taking Sides (Taking Sides –

Der Fall Furtwängler) R: István Szabó

2000 Bonhoeffer: Agent of Grace

(Bonhoeffer – Die letzte Stufe) R: Eric Till

1997 Comedian Harmonists R: Joseph Vilsmaier

Das Böse (TV) R: Christian Görlitz

1996 Beim nächsten Kuss knall ich ihn nieder R: Hans-Christoph

Blumenberg

Freier Fall (TV) R: Christian Görlitz

1995 Mutters Courage R: Michael Verhoeven

Nikolaikirche R: Frank Beyer

Der Mörder und sein Kind (TV) R: Matti Geschonneck

1994 Felidae R: Michael Schaack

Rotwang muss weg R: Hans-Christoph

Blumenberg

1993 Maus und Katz (TV) R: Hajo Gies

Wehner – Die unerzählte Geschichte (TV) R: Heinrich Breloer

1991 Die Spur des Bernsteinzimmers R: Roland Gräf

1989 In meinem Herzen, Schatz R: Hans-Christoph

Blumenberg

Das Milliardenspiel (TV) R: Peter Keglevic

1988 Ballhaus Barmbek – Let’s Kiss

and Say Goodbye R: Christel

Buschmann

1987 Felix R: Helma Sanders-

Brahms,

Margarethe

von Trotta, Christel

Buschmann

1985 Stammheim R: Reinhard Hauff

1984 Kaltes Fieber R: Josef Rusnak

1983 Die Schaukel R: Percy Adlon

1982 Die Weiße Rose R: Michael Verhoeven

Thomas Thieme (Bruno Hempf)

Der 1949 in Weimar geborene Thomas Thieme kann auf eine beachtliche Schauspielkarriere zurückblicken. Nach dem Fall der Mauer war er in zahlreichen TV-Filmen zu sehen, darunter Episoden von „Tatort“, „Schimanski“, „Donna Leon“, „Rosa Roth“ und, gerade abgedreht, „Der Alte“. 2005 spielte er in Matti Geschonnecks „Die Nachrichten“, im Jahr zuvor war er in Carlo Rolas „Die Patriarchin“ mit Iris Berben zu sehen. Zu seinen Kinoerfolgen zählen Robert Schwentkes „Eierdiebe“ (2003), István Szabós „Taking Sides – Der Fall Furtwängler“ (2001) sowie Jan Schüttes „Fette Welt“ (1997).

Hans-Uwe Bauer (Paul Hauser)

Hans-Uwe Bauer stammt ebenfalls aus der DDR und wurde 1955 in Stralsund geboren. Sein Kinodebüt gab der Schauspieler 1982 in dem DEFA-Film „Der Aufenthalt“ von Frank Beyer nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase. Weitere DEFA-Filme folgten, seit den 90er Jahren dann auch TV-Rollen, darunter mehrere „Tatort“-Episoden und „Bella Block: Kurschatten“ (2003). Bauer spielte auch in Andreas Kleinerts „Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung“ (2001) und Friedemann Fromms „Zeit der Rache“ (2002). Für Markus Imboden stand er in „Doppelter Einsatz: Der Mörder in dir“ (2001), „Stahlnetz – PSI“ (2002), „Das Konto“ (2003) und zuletzt „Die Leibwächterin“ (2005) vor der Kamera. Im Kino war Bauer 2001 in Hardy Martins „So weit die Füße tragen“ zu sehen.

Volkmar Kleinert (Albert Jerska)

Seit seinem Leinwanddebüt 1965 in Richard Groschopps DEFA-Film „Entlassen auf Bewährung“ stand der 1938 in Dresden geborene Kleinert in zahlreichen Kino- und TV-Filmen vor der Kamera. Er spielte bereits in „Polizeiruf 110“, als dieser noch in der DDR entstand, und setzte die Arbeit daran später im Westen fort. Kleinert wurde immer wieder in DEFA-Filmen besetzt, spielte aber auch in der TV-Serie „Der Clown“ (1998–1999) und war im Kino in „Otto – Der Außerfriesische“ (1989) und Sebastian Petersons „Helden wie wir“ (1999) nach Thomas Brussigs Bestseller zu sehen. Die deutsch-deutsche Thematik wird auch in Stephan Wagners „Der Stich des Skorpion“ (2004) aufgegriffen. Für Wagner drehte Kleinert außerdem „Der Solist: In eigener Sache“ (2002), „Bloch: Fleck auf der Haut“ (2003) und zuletzt „Nette Nachbarn küsst man nicht“ (2005).

Herbert Knaup (Gregor Hessenstein)

Knaup, geboren 1956 in Sonthofen und ausgebildet an der Otto-Falckenberg-Schule in München, kam erst nach 15-jähriger Bühnentätigkeit zum Film. Berühmt wurde er mit der Hauptrolle in Dominik Grafs „Die Sieger“ (Bayerischer Filmpreis 1994). Der Erfolg setzte sich fort mit den Komödien „Irren ist männlich“ (Sherry Hormann, 1996) und „Südsee, eigene Insel“ (Thomas Bahmann, 1998). Mit Veronica Ferres spielte Knaup in Egon Günthers „Die Braut“ (1999), mit Katja Flint in Joseph Vilsmaiers „Marlene“ (2000). Für Vilsmaier stand er auch in „Schlafes Bruder“ (1994) und „Bergkristall“ (2004) vor der Kamera. Den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller brachte ihm 1999 die Rolle als Franka Potentes Vater in „Lola rennt“. Zu seinen weiteren Erfolgen zählen Ralf Huettners „Die Musterknaben“ (1997), Hans-Christian Schmids „Lichter“ (2002) sowie „Anatomie 2“ (2003). Nach „Der alte Affe Angst“ (2003) besetzte Oskar Roehler ihn auch in „Agnes und seine Brüder“ (2004) und zuletzt in „Elementarteilchen“ (2005). Zu Knaups zahlreichen Fernsehrollen zählen mehrere „Blond“-Episoden, Nina Grosses „Kinder der Nacht“ (1995) sowie zuletzt Peter Gersinas „Mein Vater, seine Neue und ich“ (2005 ) und Xaver Schwarzenbergers „Margarete Steiff“ (2005).

Das Team

Florian Henckel von Donnersmarck (Regie, Drehbuch)

Florian Henckel von Donnersmarck wuchs in New York, Berlin, Frankfurt am Main und Brüssel auf, wo er im Jahre 1991 sein internationales Abitur machte. Im Anschluss an sein Russischstudium am Leningrader LISI studierte er Politik, Philosophie und VWL an der Universität Oxford. Im Jahre 1996 absolvierte er ein Regie-Praktikum bei Richard Attenborough (Produktion „In Love and War“). 1997 begann er sein Studium im Fach Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Florian Henckel von Donnersmarck hat vor DAS LEBEN DER ANDEREN bereits mehrere Kurzfilme realisiert: 1997 als Bewerbungsfilm für die HFF „Mitternacht“, der seine Premiere beim Permanenten Kurzfilmfestival im Kellerkino Berlin feierte. Ein Jahr später folgte „Das Datum“ (1998), der bei den Internationalen Hofer Filmtagen gezeigt und von der KurzFilmAgentur Hamburg vertrieben wurde. 1999 führte Henckel von Donnersmarck Regie bei „Dobermann“, zu dem er auch das Buch geschrieben hatte. Der Vierminüter erhielt das Prädikat „Besonders wertvoll“ und war Teil der „Next Generation“-Rolle von „German Cinema" in Cannes. Er wurde mit zahlreichen Preisen als bester Kurzfilm geehrt: Max-Ophüls-Preis 2000; 26. Internationales Filmwochenende Würzburg; 12. Filmfest Dresden. Außerdem gewann er beim „Junge Sterne“-Kurzfilmwettbewerb der Abendzeitung den 1. Platz und war Siegerfilm der „Shocking Shorts" von Universal. 2001 entstand als Auftragsarbeit für Universal und Gaumont TV „Les Mythes Urbains“. Der siebenminütige Kurzfilm wurde an sieben Sender in sechs Ländern verkauft.

2002 entstand in Zusammenarbeit mit den Produzenten Max Wiedemann und Quirin Berg in Cinemascope der fünfzehnminütige Kurzfilm „Der Templer“. Die Kamera führte, wie bei DAS LEBEN DER ANDEREN, Hagen Bogdanski. Ausgezeichnet mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“, lief „Der Templer“ 2002 auf den Hofer Filmtagen. Er erhielt den Eastman-Förderpreis sowie den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis 2003, den Preis der Produzentenjury bei Sehsüchte Babelsberg und wurde von der FBW Wiesbaden zum „Kurzfilm des Monats“ gewählt.

Am 13. Januar 2006 wurde Florian Henckel von Donnersmarck mit dem Bayerischen Filmpreis für das Beste Drehbuch und die Beste Nachwuchsregie für DAS LEBEN DER ANDEREN geehrt. Der Film erhielt insgesamt vier Auszeichnungen beim Bayerischen Filmpreis.

Wiedemann & Berg Filmproduktion (Produktion)

Die WIEDEMANN & BERG FILMPRODUKTION wurde 1998 von Max Wiedemann und Quirin Berg gegründet. Beide haben an der Hochschule für Fernsehen und Film München Produktion und Medienwirtschaft studiert und dort im Jahr 2003 mit Diplom abgeschlossen.

Die Produktionen der Wiedemann & Berg Filmproduktion erhielten bisher über 60 internationale Kurzfilmpreise, Filmfestehrungen und Auszeichnungen – darunter den Eastman-Filmpreis der Hofer Filmtage, zahlreiche Prädikate der FBW, den Produzentenpreis Sehsüchte Potsdam-Babelsberg, zwei Nominierungen zum deutschen Kurzfilmpreis, fünf Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preise und den Europäischen New Talent Award der Filmfestspiele Cannes.

Für DAS LEBEN DER ANDEREN wurden Quirin Berg und Max Wiedemann beim Bayerischen Filmpreis mit dem renommierten VGF-Preis als Beste Nachwuchsproduzenten ausgezeichnet.

Filmographie (Auswahl)

Kinofilme:

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

2006 Die Bundeswehrkomödie (in Vorbereitung)

Fernsehfilme:

2003 Mädchen Nr. 1; Regie: Stefan Holtz

2004 Bei hübschen Frauen sind alle Tricks erlaubt;

Regie: Peter Stauch

Kurzfilme:

2003 Im Labyrinth (Koproduktion); Regie: Barbara Miersch Kalte Schatten; Regie: Peter Kocyla

2002 Solo ohne Ende; Regie: Matthias Kutschmann

Simones Labyrinth (Koproduktion);

Regie: Iván Sáinz-Pardo

2001 Déjà vu; Regie: Stefan Holtz

Besser geht’s noch; Regie: Matthias Kutschmann

Der Templer;

Regie: Sebastian und Florian Henckel von Donnersmarck

2000 Paranoia; Regie: Peter Kocyla

Schneckentraum; Regie: Iván Sáinz-Pard

1998 S. geht rund (Koproduktion); Regie: Carsten Funke

Almost (Koproduktion); Regie: Britta Olivia Götz

Hagen Bogdanski (Kamera)

Hagen Bogdanski, 1965 in Berlin geboren, studierte an der dortigen Universität Kunst und Fotografie. Als Teenager hatte er erste Erfahrungen in kleineren Rollen vor der Kamera gesammelt, etwa in der „Sendung mit der Maus“. Nach dem Studium war er zunächst als Kameraassistent tätig, u.a. für Xaver Schwarzenberger, Jürgen Jürges und Gernot Roll. Seit 1994 zeichnete er als Kameramann für bisher ca. 30 Kino- und TV-Produktionen verantwortlich. Für Oskar Roehler fotografierte er drei Filme. Gerade abgedreht hat Bogdanski das TV-Movie „Die Männer sind alle Verbrecher“ von Stephan Wagner.

Bogdanski war bereits zweimal Träger des Kodak-Förderpreises und erhielt für „Die Unberührbare“ den „aec award“ in der Kategorie beste Kamera beim Ourense Independent Film Festival. 2005 war er für seine Kameraarbeit für „Tatort: Minenspiel“ für den Deutschen Kamerapreis nominiert.

Filmographie (Auswahl):

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Antikörper; Christian Alvart

Tatort: Leiden wie ein Tier; TV; Regie: Uwe Janson

Nette Nachbarn küsst man nicht; TV; Regie: Stephan Wagner

2004 Blackout Journey; Regie: Siegfried Kamml

2003 Der alte Affe Angst; Regie: Oscar Roehler

Wie krieg ich meine Mutter groß; TV; Regie: Stephan Wagner

Die schnelle Gerdi und die Hauptstadt; TV; Regie: Michael Verhoeven

2002 Das Jahr der ersten Küsse; Regie: Kai Wessel

Juls Freundin; TV; Regie: Kai Wessel

Der Templer; Kurzfilm; Regie: Sebastian und Florian Henckel von Donnersmarck

2001 Nachts im Park; Regie: Uwe Janson

Das Schneeparadies; TV; Regie: Erwin Keusch

2000 Die Unberührbare; Regie: Oskar Roehler

Nick Knatterton – Der Film; Regie: Niki List

Otto – Der Katastrofenfilm; Regie: Edzard Onneken

Liebesengel; TV; Regie: Uwe Janson

1998 Gierig; Regie: Oscar Roehler

Annas Fluch; TV; Regie: Uwe Janson

1994 Koma – Lebendig begraben; TV; Regie: Uwe Janson

Silke Buhr (Szenenbild)

Silke Buhr absolvierte eine Tischlerlehre, bevor sie an der Fachhochschule Detmold Innenarchitektur studierte. Nach ihrem Abschluss trat die Diplomingenieurin den Aufbaustudiengang Szenenbild an der Hochschule für Fernsehen und Film in München an. Währenddessen arbeitete sie bereits als Szenenbild-Assistentin. Seit 1997 ist Silke Buhr als Szenenbildnerin tätig. Zuletzt hat sie Chris Kraus’ „Nur für Mozart“ (2005) und Annette Ernsts TV-Komödie „Alles auf Anfang“ ausgestattet.

Filmographie (Auswahl):

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

2002 Scherbentanz; Regie: Chris Kraus

2000 Vergiss Amerika; Regie: Vanessa Jopp

Jetzt oder nie – Zeit ist Geld; Regie: Lars Büchel

2001 Auf Herz und Nieren; Regie: Thomas Jahn

1999 Die Häupter meiner Lieben; Regie: Hans-Günther Bücking

1998 Requiem für eine romantische Frau; Regie: Dagmar Knöpfel

Cascadeur – Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer; Regie: Hardy Martens

Gabriele Binder (Kostüm)

Seit über zehn Jahren entwirft Gabriele Binder Kostüme für Film- und Fernsehproduktionen. Immer wieder arbeitete sie mit Regisseurin Sherry Hormann zusammen. Zuletzt stattete Binder deren TV-Zweiteiler „Helen, Fred & Ted“ (2005)aus. In Phillip Ridleys „Die Passion des Darkly Noon“ hatte sie auch eine kleine Rolle inne.

Filmographie (Auswahl):

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

2004 Männer wie wir; Regie: Sherry Hormann

2003 Liebe zartbitter; TV; Regie: Michael Kreihsi

Wenn Weihnachten wahr wird; TV; Regie: Sherry Hormann

2000 Donna Leon: Vendetta; TV; Regie: Christian von Castelberg

Donna Leon: Venezianische Scharade; TV; Regie: Christian von Castelberg

2002 Betty; Regie: Peter Keglevic

1999 St. Pauli Nacht; Regie: Sönke Wortmann

1996 Irren ist männlich; Regie: Sherry Hormann

1995 Reise nach Weimar; TV; Regie: Dominik Graf

1994 The Passion of Darkly Noon (Die Passion des Darkly Noon); Regie: Phillip Ridley

1993 Frauen sind was Wunderbares; Regie: Sherry Hormann

Simone Bär (Casting)

Die viel beschäftigte Casting-Agentin kann auf eine Fülle von Kino- und TV-Filmen zurückblicken, die von ihr besetzt wurden. Sie arbeitet mit den besten Regisseuren zusammen und hat zu den Erfolgen einiger der wichtigsten deutschen Filme der letzten Jahre beigetragen. Zuletzt war sie u. a. an Hans-Christian Schmids „Requiem“ (2006) beteiligt.

Die Frau mit dem sicheren Gespür für neue Talente hat in ihrem digitalen Karteikasten ca. 17.000 Schauspieler gelistet.

Auf der Cologne Conference wurde Simone Bär mit dem Deutschen
Castingpreis 2002 geehrt.

Filmographie (Auswahl):

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Gespenster; Regie: Christian Petzold

2004 Agnes und seine Brüder; Regie: Oskar Roehler

Farland; Regie: Michael Klier

Sommersturm; Marco Kreuzpaintner

Sehnsucht nach Liebe; TV; Regie: Erwin Keusch

2003 Marseille; Regie: Angela Schanelec

Der alte Affe Angst; Regie: Oskar Roehler

Was nützt die Liebe in Gedanken; Regie: Achim von

Borries

Herr Lehmann; Regie: Leander Haußmann

2002 Lichter; Regie: Hans-Christian Schmid

Baby; Regie: Philipp Stölzl

2001 Good Bye Lenin; Regie: Wolfgang Becker

2000 Heidi M.; Regie: Michael Klier

Die innere Sicherheit; Regie: Christian Petzold

Frau 2 sucht Happy End; Regie: Edward Berger

Patricia Rommel (Schnitt)

Berühmt wurde die 1956 in Paris geborene Patricia Rommel als Cutterin von Caroline Links Oscar-Erfolg „Nirgendwo in Afrika“. Rommel schnitt in ihrer Laufbahn ca. 30 Kino- und TV-Filme. Ihre Arbeit im Filmbusiness hatte sie 1977 zunächst mit diversen Film- und Synchronproduktionen begonnen, ehe sie seit 1980 als freiberufliche Cutterin arbeitete. Rommel hatte Lehraufträge im Bereich Schnittberatung an der HFF München und der Filmakademie Ludwigsburg inne.

Ihre Arbeit für „Kammerflimmern“ wurde 2005 mit dem Deutschen Kamerapreis im Bereich Schnitt gewürdigt.

Filmographie (Auswahl):

2005 DAS LEBEN DER ANDEREN; Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

2004 Kammerflimmern; Regie: Hendrik Hölzemann

2003 Die Nacht singt ihre Lieder; Regie: Romuald Karmakar

2002 Ghettokids; TV; Regie: Christian Wagner

2001 Nirgendwo in Afrika; Regie: Caroline Link

Emil und die Detektive; Regie: Franziska Buch

2000 Gripsholm; Regie: Xavier Koller

1998 Pünktchen und Anton; Regie: Caroline Link

1997 Feuerreiter; Regie: Nina Grosse

Das Leben ist eine Baustelle; Regie: Wolfgang Becker

1996 Jenseits der Stille; Regie: Caroline Link

1994 Lauras Entscheidung; TV; Regie: Uwe Janson

1993 Gefährliche Verbindung; Regie: Uwe Janson

1992 Durst; Regie: Martin Weinhart

1987 Der gläserne Himmel; Regie: Nina Grosse

1981 Der Fan; Regie: Eckhart Schmidt

     
                                                                                                                          137 Min

Ost-Berlin, November 1984. Fünf Jahre vor seinem Ende sichert der DDR-Staat seinen Machtanspruch mit einem erbarmungslosen
System aus Kontrolle und Überwachung. Als Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) den linientreuen Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) auf den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) und seine Lebensgefährtin, den Theaterstar Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), ansetzt, verspricht er sich davon einen Karriereschub. Immerhin stehen höchste politische Kreise hinter dem „operativen Vorgang“. Womit er nicht gerechnet hat: Das intime Eindringen in die Welt der Observierten verändert auch den Spitzel. Das Eintauchen in DAS LEBEN DER ANDEREN – in Liebe, Literatur, freies Denken und Reden – macht Wiesler die Armseligkeit seines eigenen Daseins bewusst und eröffnet ihm eine nie gekannte Welt, der er sich immer weniger entziehen kann. Doch das System ist nicht mehr zu stoppen – ein gefährliches Spiel beginnt, das die Liebe zwischen Dreyman und Christa-Maria Sieland in den Abgrund reißt und Wieslers bisherige Existenz vernichtet. Bis die Mauer fällt, haben alle einen hohen Preis gezahlt. Danach beginnt eine andere Welt.

 
 

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