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Neues aus der Welt: Filmkritik

 
 

Nach „Captain Phillips“ arbeiten Regisseur Paul Greengrass und Schauspieler Tom Hanks für den neuen Western-Film „Neues aus der Welt“ zusammen. Das Highlight dabei ist jedoch die Nebendarstellerin.

In Greengrass‘ neustem Film spielt Tom Hanks erneut einen Captain, dieses Mal trägt er jedoch den Namen Captain Kidd. 5 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs zieht es Kidd von Stadt zu Stadt. Um den Leuten die Geschichten aus der Welt nahezubringen, liest er ihnen aus der Zeitung vor. Als er auf einer seiner Touren auf einen erhängten Mann stößt, findet er dabei Johanna (Helena Zengel). Wie sich schnell herausstellt, ein Mädchen, welches seine Sprache nicht zu verstehen scheint. Das Kind mit deutschen Wurzeln wurde von einem Stamm von Ureinwohnern (genannt die Kiowa) aufgezogen. Für Kidd ist klar, er kann das Mädchen nicht allein zurücklassen. So macht er sich mit ihr auf eine Reise, bei der ihn auch seine eigene Vergangenheit einzuholen scheint.

Durch die herrschende Sprachbarriere können wir ähnlich wie Tom Hanks nur Teile von Johannas Worten entziffern. Als eine Weggefährtin Kidds jedoch die Sprache des Mädchens zu verstehen scheint, bekommen wir mehr Hintergründe geliefert. Zweimal hat Johanna bereits ihre Eltern verloren. Die letzte Hoffnung scheinen allein Tante und Onkel zu sein, doch die wohnen weit entfernt. 

Altbekannte Muster

Paul Greengrass erzählt diese Geschichte im typischen Road-Movie-Stil. Das Ziel des Films (die Ablieferung von Johanna) ist relativ schnell klar und auch die Zwischenereignisse sind wenig überraschend. Durch Überfälle und ähnliche Zwischenfälle werden dem Duo immer wieder Steine in den Weg gelegt. Wirklich bedrohlich wirken die allerdings nie, schließlich gibt es für den Film ein erwartungstreues Ende. Auch der zeitliche Kontext des Films wird kaum behandelt. Entschieden lässt man den Film fünf Jahre nach dem Bürgerkrieg spielen, gibt dem allerdings bis auf kleinere Nebenhandlungen keinen Raum und verschenkt damit an Potenzial.


„Neues aus der Welt“ kann also nicht durch eine Genre-Innovation überzeugen. Die Stärken des Filmes liegen eher im Setting und den Schauspielern. Besonders hervorzuheben ist hierbei die deutsche Schauspielerin Helena Zengel. Für ihre Rolle der Johanna erhielt sie jüngst erst eine Nominierung für die Golden Globes als beste Nebendarstellerin. Die Zwölfjährige spielt sehr eindrucksvoll das vom Leben gezeichnete Mädchen. Ihre anfängliche Angst, die Sprachbarriere und auch die aufkommende Wärme zu ihrem Begleiter Kidd sind es, die den Film tragen.

Fazit

Wirklich viel „Neues aus der Welt“ kann uns Paul Greengrass mit seinem neusten Film nicht bieten. Dennoch schafft er es, die Roman-Adaption gekonnt in Szene zu setzen. Überzeugen kann der Film nicht gerade durch eine innovative Story, jedoch durch die zwischenmenschliche Geschichte der zwei Protagonisten, bei denen Helena Zengel („Systemsprenger“) auch einen Tom Hanks gekonnt an die Wand spielt.

"Neues aus der Welt" ist ab dem 10. Februar 2021 auf Netflix aufrufbar. Hier könnt Ihr euch den Film direkt ansehen.

Neues aus der Welt

Neues aus der Welt

KINODrama
 

Der Film erzählt von einer berührenden Reise durch den Westen Amerikas am Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei beeindruckt die deutsche Helena Zengel in ihrer ersten Hollywood-Rolle. Der Trailer zu Neues aus der Welt.

 
© FILM.TV
 
 
 

FILM.TV-Check: 70%


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HOT:

+starke Nebendarstellerin

+sehr atmosphärisch

NOT:

-altbekanntes Konzept

-sehr langsame Erzählweise


 

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Autor: Nils Zehnder
Gesprächswert: 70%