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Die Ausgrabung: Filmkritik

 
 

Ein Film über eine Ausgrabung klingt ähnlich spannend wie eine Serie über Schach. Doch nach „Das Damengambit“ zeigt auch „Die Ausgrabung“ mit Ralph Fiennes in den Hauptrollen, dass ein so simpel wirkendes Thema stark verpackt werden kann.

Mit „Die Ausgrabung“ startet bei Netflix ein weiterer Film, der auf wahren Begebenheiten basiert. Erzählt wird dabei vom Fund eines uralten Schiffs, während sich die ganze Welt bereits auf den bevorstehenden Zweiten Weltkrieg vorbereitet. Gefunden wurde das angelsächsische Schiff dabei vom selbst erlernten Ausgräber Basil Brown (Ralph Fiennes). Zu Beginn seiner Arbeit erntet er von bekannten Archäologen für seine Thesen nur Spot. Erst als sich ein wirklich großer Fund andeutet, sind es die Selbigen, die den Fund an sich reißen und den leidenschaftlichen Ausgräber übergehen wollen.

Als Basis für das neue Netflix-Original diente das 2007 erschienene Buch des Journalisten John Preston. Basierend auf Erzählungen seiner Tante, die bei der Ausgrabung beteiligt war, fasste er die zurückgehaltene Geschichte des historischen Funds zusammen. Doch im Film wird die Ausgrabung selbst nur zur Rahmenhandlung und wird von einer Geschichte über Liebe und Vergänglichkeit des Lebens überschattet.

Klassischer Aufbau

Der Aufbau des Films entspricht in erster Linie einer typischen Dramaturgie. Man hat ein Ziel vor Augen, versucht sich diesem anzunähern, wird jedoch von unterschiedlichsten Ereignissen davon abgebracht. In „Die Ausgrabung“ wären das beispielsweise zwei Museen, die den Fund gerne als ihren eigenen betiteln würden. Oder auch ein Unwetter, welches das nahezu zerfallende Schiff zu zerstören droht.


Genau darüber hinaus findet der Film jedoch seine Stärke. Wie auch das Ausgrabungsteam graben wir uns immer tiefer in die Emotionen und Motive der einzelnen Charaktere. Die Drehbuch-Autorin Moira Buffini setzt hierbei stark auf die Nebenhandlungen des Filmes und verleiht dem Film durch jene die nötige Tiefe.

Zum einen wäre hier die von Carey Mulligan gespielte Landbesitzerin Edith Pretty. Während sich ihr gesundheitlicher Zustand über den Film hinweg verschlechtert, liegt auch die Sorge um ihren Cousin Robert in der Luft, der wegen des baldigen Krieges zur Air Force berufen wird. Dadurch spielt sich die Vergänglichkeit des Lebens und was davon nach dem Tod übrig bleibt nicht nur abgezirkelt an der archäologischen Fundstelle ab, sondern auch bei den tragenden Charakteren.


Fazit:

Simon Stone ist mit „Die Ausgrabung“ ein wundervolles biografisches Drama gelungen. Während man die wahre Geschichte eines einst unterschätzten Mannes erzählt, lässt man sich genug Zeit für die Entwicklung der Charaktere. Mit packenden Wendungen wird einen der Film zwar nicht überraschen, doch erzählt er viel über die Liebe und das, was vom Leben bleibt. „Die Ausgrabung“ ist damit nicht nur ein Film über das Ausbuddeln von Schätzen, sondern legt neben Unmengen an Erde auch tiefe Gefühle frei.

"Die Ausgrabung" ist ab dem 29. Januar 2021 auf Netflix aufrufbar. Hier könnt Ihr euch den Film direkt ansehen.

Die Ausgrabung

Die Ausgrabung

KINODrama
 

Während der Zweite Weltkrieg auszubrechen droht, beauftragt eine vermögende Witwe einen Hobbyarchäologen damit, die Hügelgräber auf ihrem Landsitz zu untersuchen. Die Ausgrabung.

 
© FILM.TV
 
 
 

FILM.TV-Check: 90%


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HOT:

+starke Hauptdarsteller

+regt zum Nachdenken an

NOT:

-wenig überraschend

-teils langatmig


 

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Autor: Nils Zehnder
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