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Don Quixote: Die literarische Vorlage zum Kinofilm

Im Jahr 1605 waren Rittergeschichten allseits beliebt und so kam es, dass zahlreiche Abenteuer erschienen, eines fantastischer und ausschweifender als das andere.

Der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra nahm diesen Trend zum Anlass, um den „sinnreichen Junker Don Quijote von der Mancha“ zu erschaffen. Die Geschichte des armen Landadeligen parodiert allerdings die populären Ritterromane des Mittelalters, indem der Titelheld die Lektüre der sagenhaften Stoffe für bare Münze nimmt und sich aufmacht, als fahrender Ritter Abenteuer zu erleben und gegen das Unrecht zu kämpfen. Dabei gerät Don Quijote in zahlreiche tragikomische Situationen, die es zum Teil ins kollektive Gedächtnis geschafft und dort bis in die Jetztzeit überdauert haben. Am Berühmtesten dürfte die legendäre Episode sein, in welcher der Mann von La Mancha gegen Windmühlen anreitet, die er für Riesen hält.

Tatsächlich ist der Roman, der 1605 und 1615 in zwei Teilen veröffentlicht wurde und für damalige Verhältnisse ein Weltbestseller war, jedoch weit mehr als eine schlichte Parodie. Inhaltlich komplex und stilistisch äußerst kunstvoll hält Don Quijote der damaligen Gesellschaft implizit einen Spiegel vor und gerät somit zu einem Panorama jener Zeit. Gleichzeitig trägt der Roman trotz der konfliktreichen Frage, was Traum ist und was Wirklichkeit, eine tiefverwurzelte humanitäre Botschaft in sich.

Kaum verwunderlich also, dass eine im Jahr 2002 vom Osloer Nobelinstitut und dem norwegischen Buchclub unter prominenten Schriftstellern aus 50 Ländern abgehaltene Abstimmung eindeutig zu Gunsten des Meisterwerks von Cervantes ausging. Schon für Dostojevskij, Autor von Literaturklassikern wie „Schuld und Sühne“ oder „Die Brüder Karamasow“, war es das Buch, „das der Mensch am Tag des Jüngsten Gerichts dabeihaben sollte“.

Dass diese große, auf Papier gebannte Geschichte künstlerisch vielfach adaptiert wurde, ist daher nur logisch. Bereits Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Cervantes‘ Roman in verschiedenen Theateraufführungen in Europa dargeboten. In filmischer Form werden die Abenteuer von Don Quijote seit 1926 verarbeitet. So drehte u.a. der legendäre Regisseur Georg Wilhelm Pabst 1933 eine Fassung und auch Orson Welles, der Mann hinter dem Kultfilm „Citizen Kane“, versuchte sich an einer Verfilmung, die jedoch aufgrund widriger Umstände unvollendet blieb.

Eine ebenso verworrene Produktionsgeschichte weist THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE auf. Doch fast 30 Jahre nach den ersten zarten Anfängen wurde Terry Gilliams Vision im zehnten Anlauf tatsächlich Wirklichkeit. Nach einer sehr langen Vorlaufsphase und gescheiterten Dreharbeiten im Jahr 2000 mit Wetterkapriolen, Verletzungen und Versicherungsproblemen fiel 2017 endlich die finale Klappe zu THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE. Ab dem 27. September kann das unglaubliche Abenteuer nun endlich auf der großen Leinwand bestaunt werden

Zum Inhalt des Films: Der zynische Werbefilmer Toby (Adam Driver) lernt einen alten spanischen Schuhmacher (Jonathan Pryce) kennen, der sich für Don Quixote hält. Die beiden erleben eine Reihe absurder Abenteuer, in deren Verlauf Toby sich den tragischen Auswirkungen eines Films stellen muss, den er in seiner Jugend gedreht hat ─ ein Film, der die Hoffnungen und Träume eines kleinen spanischen Dorfes für immer verändert hat. Kann Toby das Getane je wieder gut machen und so zu seiner Menschlichkeit zurückfinden? Kann Don Quixote seinen Wahn bezwingen und seinen nahenden Tod verhindern? Oder wird etwa die Liebe alle Grenzen überwinden?

Terry Gilliam („The Zero Theorem“, „Das Kabinett des Doktor Parnassus“, „Brothers Grimm“) konnte auch für THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE wieder einen hochkarätigen Cast verpflichten: Neben Jonathan Pryce („Game of Thrones“, „G.I. Joe“-Reihe) in der Rolle des Don Quixote und Adam Driver („Star Wars: Die letzten Jedi“, „Logan Lucky“) als Toby überzeugen u.a. Olga Kurylenko („Ein Quantum Trost“, „Oblivion“), Stellan Skarsgård („Thor – The Dark Kingdom“, „Avengers“-Reihe), Òscar Jaenada („Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten“, „The Cold Light of Day“), Jordi Mollà („Riddick – Überleben ist seine Rache“, „Knight and Day“), Sergi Lopez („Pans Labyrinth“) und Joana Ribeiro („Portugal Não Está à Venda“).

Autor: Tom Stolzenberg
Gesprächswert: 76%
Mit Material von S&L Medianetworx
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