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FUFIS #199: Josephin Busch - „Letzte Spur Berlin“

 
 

Jahrelang war die 34-Jährige bekannt für ihre Hauptrolle neben Udo Lindenberg in seinem Musical Hinterm Horizont. Doch nicht nur gesanglich hat die Sängerin der Band Prag etwas auf dem Kasten. In zahlreichen Rollen für Film, Fernsehen und Theater hat sie ihre Vielseitigkeit bewiesen. Am 12. März kommt die neue Staffel Letzte Spur Berlin ins Fernsehen (ZDF) und Josephin Busch ist als Lucy Elbe natürlich auch wieder mit dabei. Letzte Spur Berlin bringt es damit jetzt schon auf zehn Staffeln. Wir wollten wissen, was die Zuschauer nun erwartet.

Es ist eine spannende Staffel. Wir hatten ganz tolle Regisseure und Regisseurinnen und Kameraleute und auch wieder tollen Schauspieler und Schauspielerinnen. Es gibt auch wieder richtig Kracher. Die Geschichten sind wieder sehr berlinrelevant und aktuell und trauen sich auch richtig etwas. Es ist ja immer, wenn man über so politisch relevante Themen eine Geschichte macht, ein bisschen knifflig. Es ist aber natürlich auch nur als eine Geschichte zu verstehen und nicht als Verallgemeinerung. Ich finde gut, dass sich das Format auch immer traut Sachen irgendwie anzupacken und berlinrelevant zu erzählen, sei es ja schwierige Familienverhältnisse, die man vielleicht nicht so gerne anspricht und Politisches, was in alle Richtungen sozusagen eventuell problematisch ist.

Schön, dass du auch gleich zusammengefasst hat, was das Besondere der Serie ausmacht. Das hab ich auch gedacht, als ich gesehen habe, dass es schon die zehnte Staffel ist. Habt ihr die neue Staffel jetzt auch unter Coronabedingungen drehen müssen oder war die schon fertig?

Wie haben die Staffel gestern erst fertig gedreht. Also gestern war der letzte Drehtag. Es ist alles so zu sagen ganz mit der heißen Nadel genäht, was das angeht, weil wir zwei Monate später begonnen haben zu drehen durch Corona und trotzdem beim Sendetermin geblieben sind, soweit ich weiß. Also trotzdem schon ab 12. März gesendet wird. Wir mussten deswegen die ganze Staffel unter Coronabedingungen drehen. Es wurde auch immer der aktuellen Situation angepasst. Also im Sommer wurde beispielsweise noch etwas weniger getestet als jetzt im Herbst/Winter. Da wurden wir dann am Ende einmal die Woche getestet, haben uns alle ansonsten mit niemandem getroffen und uns sehr an die Quarantäne gehalten, dass quasi nur wir untereinander uns anseuchen [lacht]. Das ganze Team hat auch immer Masken getragen und so gut wie es geht Abstand gehalten. Aber halt auch so, dass man eben auch trotzdem die Geschichte normal erzählen kann, das war irgendwie allen wichtig, dass nicht immer alle fünf Meter voneinander entfernt spielen. Da kann man leider keine Geschichten mehr erzählen. Wir haben versucht, durch die häufigen Testungen und die Quarantäne, die jeder so gut er kann einhält, alles so zu machen, dass sich jeder so sicher wie möglich fühlt und man trotzdem noch einen guten Film machen kann.


In einem Krimi Genre, nimmt man da auch manchmal was mit nach Hause oder schafft man es, das alles auf dem Set zu lassen?

Also ich bin eigentlich ganz gut darin, die Sachen dann da zu lassen, auch wenn ich emotionale Sachen spielen muss. Ich bin kein Schauspieler, der das dann ewig nachhängt oder so. Ich kann immer ganz gut ein- und aussteigen, auch recht schnell.

Aber klar gibt es Geschichten, über die man noch ein bisschen länger nachdenkt, die einem noch so ein bisschen im Kopf bleiben. Vor allem, wenn das irgendwie Kinder betrifft. Wenn man so denkt Oh Gott, was es für Familien gibt, weil irgendwie selbst bei der krassesten Geschichte gibt's das ja irgendwie auf der Welt so auch in echt und das bedrückt mich auch gerade seit ich selber Mutter bin. Manche Leute sind wirklich nicht gut zu ihren Kindern oder sind gewalttätig zueinander generell. Das bedrückt mich, auch wenn ich das in den Nachrichten sehe oder wenn ich das irgendwo erfahre. Und das bedrückt mich dann auch wenn ich das als Geschichte spiele oder sehe.


Wolltest du immer ins Krimi Genre oder hättest du dir ein anderes Genre lieber ausgesucht?

Also es interessiert mich gar nicht so richtig, was für ein Genre ich mache, sag ich mal, sondern mich interessieren gute Geschichten und dass ich was Schönes zu spielen bekomme, gute Charaktere, die ich spielen kann und nahbarer Figuren, die die Handlung vorantreiben. Ob das jetzt im Krimi ist oder ein Liebesfilm oder ein anderes Drama oder eine Komödie, ich finde das alles spannend. Also ich hab auch eigentlich alles schon gemacht und fand irgendwie alles auf seine Art toll. Und ja. Also da bin ich jetzt nicht festgelegt, dass ich Krimi jetzt besonders toll finde oder lieber was anderes hätte. Ich finde, da macht es auch in dem Beruf irgendwie die Abwechslung. Zum Ausgleich freue ich mich, wenn ich dann irgendwie, jetzt wie in Hamburg, auf der Bühne Kabarett spiele oder etwas, dass damit gar nichts zu tun hat oder einen Film machen kann, der dann nicht unbedingt ein Krimi ist. Aber wenn es auch noch mal ein Krimi ist, ist das auch okay, weil das Wichtige sind halt die Geschichten und die Charaktere.


Bühne ist ein schönes Stichwort. Wenn man dich in einer Suchmaschine eingibt, dann findet man als erstes Schlagwort „Udos Mädchen“. Ist das eine Bezeichnung, auf die du nach wie vor stolz bist oder eher etwas, was du gerne so langsam mal ablegen würdest? Das ist ja dann auch schon 10 Jahre her.

Also ich bin nach wie vor stolz darauf. Natürlich, wenn ich das lese „Udos Mädchen“, dann fühlt sich das natürlich auch irgendwie lange her an. Wobei ich habe das ja super lange gespielt. Ich hab das natürlich dann mit vielen, vielen tollen Vertretungen gespielt, weil ich schon so viel gedrehter habe, aber ich hab's ja letztendlich bis 2017 auch immer wieder selber gespielt und insofern war ich es auch wirklich sehr lange und bin auch total stolz auf diese Rolle, auf das Stück, das wir gemacht haben, auf die Zeit mit Udo auf Tour und alles, was ich da erleben durfte. Und deswegen wird mich das nie nerven. Ich werde immer mit Stolz an diese schöne Zeit zurückdenken. Und ja, also ich fand Udo auch immer ein sehr cool und netten Chef und Kollegen auf Augenhöhe und deswegen ist das immer alles mit guten Erinnerungen verbunden. Aber natürlich bin ich jetzt mittlerweile 34 und würde mich jetzt nicht mehr ganz als „Mädchen“ bezeichnen. Insofern, klar, stimmt das Rollenprofil jetzt vielleicht nicht mehr ganz, aber es war der beste Start, den ich mir hätte wünschen können.


Du machst ja auch Musik und hast gerade gesagt, du spielst noch auf dem Kabarett. Demnächst sehen wir dich denn da eher vor der Kamera oder auch musikalisch auf der Bühne?

Also wenn man endlich mal wieder auf die Bühne darf … was nebenbei bemerkt, ich sehr belastend finde, dass die Theater- und auch die ganze Veranstaltungsbranche so lange schon so lahmgelegt ist und dass es da irgendwie gar nicht möglich ist, mit anderen Maßnahmen mal zu gucken, ob man da sich trotzdem schützen kann und trotzdem, dass es irgendwie wieder weitergeht …, also wenn das bald geht wieder, dann hoffe ich, wir erleben irgendwie noch mal die neuen goldenen Zwanziger und alle gehen ganz oft ins Theater. Dann will ich auch ganz viel Theaterspielen. Also z. B. das Stück Cabaret, da teile ich mir die Rolle der Sally Bowles mit Anneke Schwabe, eine ganz tolle Kollegin, darauf freue mich auch schon riesig, denn ab spätestens im nächsten Frühling will ich das auch so oft es geht, spielen zu können. Und dann mache ich noch mit einer befreundeten Regisseurin ein Zwei-Personen-Stück, wo wir einen Roman, den ich gelesen habe und sehr liebe vertheatern, aber da darf ich leider nicht mehr zu sagen. Aber es kommen auf jeden Fall wieder mehr Theaterprojekt. Das ist mir auch sehr wichtig, weil mir die Bühne sehr sehr fehlt. Und auch mit meiner Band Prag und auch überhaupt musikalisch werde ich auch weiterhin auf der Bühne wieder stehen, wenn das wieder geht. Aber natürlich auch im Film, auch da bin ich echt immer so ein Freund der Abwechslung.


Wenn ich dich jetzt in fünf Jahren noch mal in eine Suchmaschine eingeben würde, was steht denn da über dich?

Also was mir wirklich wichtig ist, sind eigentlich Sachen, die selten in Schlagzeilen schaffen. Und zwar das, dass ich den Menschen, die um mich rum sind, die mit mir arbeiten oder auch privat sich mit mir abgeben, dass die das Gefühl haben, sie haben eine gute Zeit gehabt und sie fühlen sich gesehen und gemocht und respektiert. Und das ist mir eigentlich am wichtigsten. Und dann ist mir natürlich auch wichtig, dass ich beruflich weiterhin Sachen mache, auf die stolz bin, dass ich mich weiterentwickelt, dass ich immer dazu lerne und auch schauspielerisch irgendwie immer mehr Facetten dazu bekomme und mich entwickle. Aber konkret etwas? Was ich mir da jetzt wünsche? Was denn da so steht? Also ein Titel oder eine Schlagzeile oder was es halt so in Suchmaschinen schafft. Also da kann ich dir jetzt gar nichts so sagen. Das hab ich gar nicht so konkret im Kopf, außer, dass ich mir eben wünsche, dass alles gut weitergeht und sich immer schön weiterentwickelt. Und dass ich es schaffe dabei ein guter Mensch zu bleiben.


Das ist es doch auch ein schöner Wunsch. So etwas sollte auch höher frequentiert in Suchmaschinen stehen.

Absolut, oder? Bei Google: „ist ein besonders netter Mensch“. Ich geb´s zu, es klingt einfach auch langweilig, wenn man es so lesen würden, aber es mir auf jeden Fall lieber als irgendwas arschiges.

 
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Autor: Jessica Neumayer
Gesprächswert: 95%